Erst Mitte Dezember hatte der norwegische König Harald die neue Bahnstrecke zwischen Oslo und Ski offiziell eröffnet. Wenige Tage später musste sie wegen eines technischen Fehlers wieder geschlossen werden. Jetzt deutet sich an: Das Rückstromsystem war für die Belastung durch den Normalbetrieb nicht ausgelegt. Dies hatte zu Überhitzung und Rauchentwicklung in mehreren technischen Einrichtungen im Blixtunnel geführt.

Nach der Panne arbeiten das norwegische Verkehrsministerium, die Bahnadministration Bane NOR, die Betreibergesellschaft Vy und das mit dem Bau beauftragte Konsortium an der Ursachenanalyse. Schuldzuweisungen werden laut, angeblich habe es vor der Inbetriebnahme zu wenig Testfahrten auf der Strecke gegeben. In einer Pressemeldung erklärt Bane NOR, ein Full-Scale-Test wäre sehr ressourcen- und kostenintensiv gewesen und hätte mehr als ein Jahr im Voraus organisiert werden müssen. Aufgrund der ohnehin schon reichlichen Verspätung des Projekts habe man einen solchen Test vor der Eröffnung nicht mehr durchführen können.

Die Untersuchung zur Ursache der Panne dauern weiter an. Bild: Bane NOR

Unterdimensioniertes Rückstromsystem

Jetzt richtet Bane NOR Vorwürfe an das spanisch-italienische Joint Venture AGJV, das mit dem Bau betraut war. Das Rückstromsystem sei unterdimensioniert und für die Belastung des Vollbetriebs nicht ausgelegt gewesen. Der Infrastrukturbetreiber formuliert als Ursache zur Hypothese:

  1. Die Spleißung von Kabeln sei mangelhaft gewesen. Dies werde so schnell wie möglich repariert.
  2. Es habe Designmängel bei der Erdung für die Rückstromanlage gegeben. Diese sei zu gering ausgelegt angesichts der Rückstrommenge, die durch das Abbremsen der Züge entstehe (Rekuperation). Bei den Testfahrten sei dies nicht zutage getreten. Sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind, will man die notwendigen Änderungen umsetzen.

Bane Nor hat nun eine Schadenersatzklage gegen AGJV angekündigt.

Großer Schaden für die Gesellschaft

Das Mega-Projekt Follobanen hatte zuvor schon einige Probleme bewältigen müssen; so waren im Jahr 2017 die Verträge mit dem ursprünglichen Totalauftragnehmer Condotte, einem italienischen Konzern, aufgehoben worden, nachdem dieser in wirtschaftliche Schieflage geraten war. Ein neuer Auftragnehmer musste gefunden werden. Dadurch geriet das Projekt mehr als ein Jahr in Verzug.

Nun hatte man sich auf eine prachtvolle Eröffnungsfeier gefreut. Die neue Strecke sollte endlich die dringend benötigte Entlastung für den Pendlerverkehr bringen. Doch wann die Mängel so behoben sind, dass die Strecke voll in Betrieb genommen werden kann, ist unklar. Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård kündigte eine externe Untersuchung an.

Quelle: tu.no / Bane NOR

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