Die Präqualifikation von vier ausländischen Konsortien für ein ÖPP-Projekt hat im Bausektor in Norwegen für große Unruhe gesorgt. Branchenverbände und einige Parteien bemängelten, das Projekt Sotrasambandet sei zu groß, um für norwegische Unternehmen interessant zu sein. Das 10 Mrd. teure Projekt hätte auf mindestens vier Projekte aufgeteilt werden müssen.

Anfang März hatte Statens Vegvesen bekannt gegeben, welche vier Konsortien sich für das Vergabeverfahren um Norwegens bis dato größtes ÖPP-Projekt qualifiziert hatten. Die Tatsache, dass kein norwegisches Konsortium präqualifiziert wurde und sich auch kein norwegischen Unternehmen an den Konsortien beteiligt, sorgte für großen Unmut in der Branche.

Dieses Projekt sorgte für große Aufregung in der Baubranche: Sotrasambandet. Illustration: Statens Vegvesen

Branchenverbände sind besorgt

Der Verband Byggenæringens Landsforening wirft den staatlichen Auftraggebern Statens Vegvesen und Nye Veier AS vor, die Auswahlkriterien seien auf ausländische Akteure zugeschnitten. „Die Branchenverbände sehen daher einen großen Bedarf, in einen besseren Dialog mit den Bauherren zu treten, damit wir bessere Durchführungsmodelle und Vertragsgrößen bekommen. Die gewaltigen Verträge, die wir derzeit sehen, halten die norwegischen Akteure außen vor‟, sagte Jon Sandnes von Byggenæringens Landsforening. Als Beispiele nannte er neben dem Sotra-Projekt auch noch den Ausbau der E18 zwischen Langangen und Rugtvedt, wo immerhin vier von fünf präqualifizierten Gesellschaften aus dem Ausland kamen, und das 2,5 Mrd. NOK teure Projekt E6 Moelv-Roterud mit ausschließlich ausländischen Präqualifizierungen.

Sandnes warnte auch vor einer langfristigen Entwicklung zu immer größeren Projekten. 2018 habe Statens Vegvesen 320 Projekte unter 25 Mio. NOK verzeichnet, 15 lagen über 250 Mio. NOK. Diese machten jedoch über 60 Prozent des Gesamtwertes aller Verträge aus. 2013 hätte es noch so gut wie keine Verträge über 1 Mrd. NOK gegeben, und seitdem habe sich der Trend zu immer größeren Verträgen entwickelt.

Zu hohes Risiko für norwegische Unternehmen

Nicht nur die Branchenverbände, auch norwegische Akteure selbst kritisierten das Vorgehen. Frode Nilson vom Baukonzern LNS erklärte: „Wir kämpfen gerade einen verzweifelten Kampf in der Branche. Wenn die Projekte so groß werden, wird es kaum einen norwegischen Akteur geben, der das Risiko auf sich nehmen kann.‟ Projekte wie dieses oder auch das ÖPP-Projekt Hålogaland sollten in vier oder fünf kleinere Projekte aufgeteilt werden. Nur so bekomme man mehr Straße fürs Geld, weil der Wettbewerb größer wird. „Die Branche selbst meint, Verträge von maximal 1,5 bis 2 Mrd. NOK sollten die Richtschnur sein‟, so Nilsen. Er gab außerdem an, auch andere europäische Akteure würden sich bei solch großen Projekten zurückhalten.

Statens Vegvesen: Aufteilung des ÖPP-Vertrags Hålogalandsvegen nicht sinnvoll

Der Leiter des Bereichs Ausbau von Statens Vegvesen, Kjell Inge Davik, sieht die Größe der Projekte als notwendig an, um Betrieb und Instandhaltung über zehn Jahre nach Fertigstellung auch wirtschaftlich betreiben zu können. „Wir arbeiten eng mit der Branche zusammen und passen die Vertragsgröße immer so an, dass es einen guten Wettbewerb gibt. Doch es ist nicht sinnvoll, die ÖPP-Verträge in diese Diskussion hineinzuziehen.‟

Aktuell sei nicht geplant, das Projekt auf vier oder fünf Verträge aufzuteilen. „Bei einer anderen Vertragsform hätten wir darüber nachdenken können, aber ÖPP müssen so groß sein, damit sie wirtschaftlich sind‟, so Davik. Die Vorwürfe, die Verträge seien auf große ausländische Baukonzerne und -konsortien zugeschnitten, wies er zurück.

Nye Veier: Größer dürften Verträge nicht werden

Nye Veier, vom Staat mit der Durchführung einiger großer Straßenbauprojekte beauftragt, hält eine Aufteilung großer Projekte nicht für den richtigen Weg, räumte aber ein, dass die Projekte auch nicht größer werden dürften. Der Leiter des Bereichs Verträge und Beschaffung Bjørn Børseth erklärte: „Die Verträge enthalten Projektierung, Bau und Instandhaltung. Früher waren Verträge mit viel kürzeren Strecken üblich, teilweise auch ganz ohne Projektierung und Instandhaltung. Der Markt, übrigens auch norwegische Unternehmen, hat ganzheitlichere Verträge gefordert, die längere Strecken berücksichtigen und auch die Projektierung enthalten. Unser Auftrag ist es, ganzheitlich zu bauen, CO2-Emissionen zu reduzieren, Kosten zu senken und innovative Lösungen zu finden. Das ist uns mit den Vertragsformen und -größen, die wir haben, gelungen.‟

Quelle: Byggeindustrin

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