Derzeit werden etwa 10 Prozent der Neubauprojekte der schwedischen Verkehrsbehörde Trafikverket von ausländischen Unternehmen ausgeführt. Beim Großprojekt der Stockholmer Umfahrung stehen sie sogar für 70 % der Verträge. Stefan Engdahl, Vorsitzender des Verbands Byggherrarna und Leiter des Bereichs Planung bei Trafikverket, ist der Ansicht, dass auch andere Bauherren wie Trafikverket vorgehen sollten. „Ich denke, dass man in allen Sektoren ausländische Unternehmer hinzuziehen kann.‟

Trafikverket setzt auf ausländische Unternehmen, um ausreichend Baukapazität zu haben. Eigenen Berechnungen zufolge habe dieses Vorgehen sogar die Baukosten um bis zu 10 Prozent reduziert.

Der Anteil ausländischer Bauunternehmen an Neubauprojekten von Trafikverket beträgt bereits 10 Prozent und nimmt weiter zu. 2016 gingen neue Verträge im Wert von 4,2 Mrd. SEK (rund 423 Mio. EUR) an nicht-schwedische Akteure; insgesamt bearbeiten sie ein Projektvolumen von gut 19 Mrd. SEK (1,91 Mrd. EUR).

„Die großen Bauherren in Schweden sollten es Trafikverket nachmachen, um ausreichende Kapazitäten auf dem schwedischen Bausektor zu sichern‟, so Stefan Engdahl. „Trafikverket muss seriöse Bauunternehmen aus dem Ausland hinzuziehen, weil wir sonst die Projekte, die unser nationaler Verkehrsplan vorsieht, nicht umsetzen können. Die Ressourcen im eigenen Land reichen einfach nicht aus.‟

Diese hohe ausländische Beteiligung beschränkt sich jedoch aktuell vor allem auf die Verkehrsinfrastruktur. Bei Neubauten wie Krankenhäusern, städtische Immobilien, kommerzielle Immobilien in Privatbesitz oder Mehrfamilienhäusern spielen sie nach wie vor kaum eine Rolle. Nach Meinung von Engdahl sollten ausländische Akteure langfristig in all diesen Kategorien hinzugezogen werden. „Vor allem bei etwas größeren, komplexen Bauprojekten mit einem Volumen von mind. 500 Mio. SEK lohnt sich das‟, ist sich Engdahl sicher. „Es ist wichtig, dass Bauherren langfristig und strukturiert denken, damit sie nicht in einer Situation enden, in der sie überhaupt keine Angebote mehr erhalten, weil der Markt übersättigt ist.‟

Nur bei großen Projekten möglich

Dazu seien jedoch große Bauvolumina erforderlich, damit andere schwedische Bauherren wie Trafikverket verfahren können, so Martin Ullgren, der in der Bezirksregierung Dalarna für Bauprojekte zuständig ist. „Nur wenige Kommunen und Bezirke haben die Möglichkeit, wie Trafikverket agieren und ausländische Bauunternehmen beauftragen zu können. Dafür sind Projekte mit einem höheren Volumen erforderlich, um sich auf eigene Faust an Unternehmen aus dem Ausland wenden zu können, die bisher nicht in Schweden tätig sind.‟

Für Trafikverket steht fest: Hier gehe es nur darum, den Wettbewerb zu sichern und die Kapazitäten und Kompetenzen auf dem schwedischen Markt zu halten.

„Es ist sehr wichtig, die Kompetenz, die der europäische Markt bietet, hinzuziehen. Die großen internationalen Unternehmen haben ja bereits komplizierte Projekte auf der ganzen Welt ausgeführt, und wir haben dabei auch gesehen, dass die ausländischen Unternehmen auch die schwedischen Firmen vitalisieren‟, so Engdahl.

Trafikverket konnte aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs seine Kosten senken, was den Steuerzahler freut. Dafür engagiert sich die Behörde aktiv, ausländische Unternehmen anzulocken. Viele Informationen für Lieferanten sind auf der Website auf Englisch verfügbar, und in regelmäßigen Abständen werden internationale Lieferantentreffen abgehalten – das nächste Mal nächsten Dienstag in Stockholm. 

Trafikverkets ausländische Auftragnehmer

Die größten Auftragnehmer aus dem Ausland sind: 

  • Hochtief (D)
  • Züblin (D)
  • Vianini (I)
  • Astaldi (I)
  • Acciona (ES)
  • Obrascon Huarte (ES)
  • Gülermark (TUR)
  • Barslund (DK)
  • NRC Group (N)
  • Subterra (CZE)
  • Implenia (CH)

Quelle: Byggvärlden
Bild: Trafikverket

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