Femern A/S, Tunnelgegner und deutsche Behörden arbeiten sich derzeit in den abschließenden Erörterungen durch 22 Kritikpunkte an der Festen Fehmarnbelt-Querung. Steine des Anstoßes sind neben der Finanzierung und den Verkehrsprognosen auch Tunnelsicherheit und Umweltschutz.

In diesen Tagen führen die deutschen Behörden die letzten Anhörungen zur zukünftigen Fehmarnbelt-Querung durch, bei der deutsche Umweltorganisationen, Unternehmen und Privatpersonen die Möglichkeit erhalten sollen, kritische Fragen zum Tunnelprojekt und zum 10.000 Seiten starken Baugenehmigungsantrag der dänischen Femern AS zu stellen.

Der Widerstand gegen das Projekt ist in Deutschland immer noch groß, die deutschen Anhörungen wurden daher in Dänemark genau verfolgt, weil dieser Prozess höchstwahrscheinlich die deutsche behördliche Genehmigung bis ins Jahr 2017 verschieben wird. Die aktuell stattfindenden Sitzungen folgen auf eine schriftliche Anhörungsphase, in der der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Kiel 3.100 Einwendungen erhalten hat.

Kritikpunkte: Verkehrsbelastung und Finanzierung

12 Erörterungstage waren angesetzt, und es ist fraglich, ob diese Zeit reicht, da bisher nur gut die Hälfte der Punkte auf der Tagesordnung diskutiert wurden.

Der erste Punkt auf der Tagesordnung betraf die Notwendigkeit des Tunnels. Dieser Punkt wurde alleine über zwei der bisher 9 Tage diskutiert. Die Verkehrsprognosen für die Feste Fehmarnbelt-Querung sollten eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert werden, man kam aber überein, dass diese Verkehrsprognosen von so entscheidender Bedeutung sei, dass man sie im Rahmen des Themenkomplexes „Notwendigkeit des zukünftigen Tunnels‟ behandelte.

Die Verkehrsprognosen würden den zukünftigen Verkehr, der die Verbindung ja finanzieren soll, überschätzen, so die Kritiker. Es sei fraglich, ob der Tunnel wirklich 718.000 Autos von der Storebeltbrücke abziehen würde.

Anschließend diskutierten die Parteien die Finanzierung des zukünftigen Tunnels. Auch in dieser Punkt gab Anlass für viele Diskussionen, u.a. aufgrund der unerwartet hohen Angebote der potenziellen Auftragnehmer, der EU-Hilfen, die niedriger ausfielen, als Femern A/S geschätzt hatte, sowie im Hinblick auf den Rückzahlungszeitraum.

Großes Thema: Umweltschutz

Bei den meisten Punkten auf der Tagesordnung geht es jedoch um Umweltfragen. Das betrifft vor allem Sedimentfreisetzung und Hydrografie, Inhalte, auf die sich zahlreiche der Einwendungen deutscher Umweltorganisationen bezogen. Sie sind der Ansicht, die Sedimentfreisetzung würde die Wasserqualität im Fehmarnbelt und in großen Teilen der Ostsee negativ beeinflussen. Die Femern A/S argumentierte jedoch auf der Grundlage der eigenen Umweltverträglichkeitsanalyse, die Sedimentfreisetzung aufgrund der Bauarbeiten werde auf die gleiche Weise wie das bei der Erosion von Küsten und Meeresboden freigesetzte Sediment in tiefere Regionen der Ostsee transportiert, ein negativer Effekt auf die Wasserqualität sei daher nicht zu befürchten.

Derzeit diskutiert man über Tierarten. Die deutschen Umweltorganisationen hatten in der schriftlichen Anhörungsphase die Umweltverträglichkeitsanalyse im Hinblick auf bedrohte Arten kritisiert. Die Analyse der Femern A/S sei zu wenig detailliert, um die Auswirkungen auf einige Arten hinreichend zu beleuchten. Im Vorhinein hatte Femern A/S dem Wunsch einer näheren Ausführung der Umweltauswirkungen auf einzelne Arten bereits entsprochen und Vereinbarungen mit den schleswig-holsteinischen Umweltbehörden über Artenschutzinitiativen getroffen.

Ausstehende Punkte

Die übrigen Punkte auf der Tagesordnung betreffen weitere Auswirkungen der Bauarbeiten, u.a. im Hinblick auf die Küstenmorphologie, sowie negative Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere am Meeresboden.

Später im Verfahren steht auch das Thema Tunnelsicherheit auf der Tagesordnung. Femern A/S behauptet, den sichersten Tunnel der Welt zu bauen, während die Kritiker die gewählten Lösungen für Sprinkleranlagen, Notausgänge, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Belüftung kritisieren.

Am ersten Tag fanden sich mehrere hundert Teilnehmer zu den Erörterungen ein, die deutschen Behörden mussten die vielen Personen mit Bussen transportieren. Seither hat das Interesse abgenommen, an den Sitzungen nehmen zwischen 30 und 50 Personen teil.

Wenn keine weiteren Anhörungstage angesetzt werden, findet die letzte Sitzung am Dienstag statt.

Quelle: Ingeniøren
Bild: Femern A/S

 

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