Luftbild der Bauarbeiten in Rødby im Juni 2022
Stand der Bauarbeiten in Rødby im Juni 2022. Bild. Femern A/S

300 polnische Bauarbeitende an der Fehmarnbelt-Querung haben ihre Arbeit niedergelegt. Sie fordern den gleichen Lohn wie ihre dänischen Kollegen. Der Streik kommt für den Hauptauftragnehmer überraschend.

Die Beschäftigten des ausführenden Konsortiums Femern Link Contractors (FLC) wollen die Arbeit nicht wieder aufnehmen, bevor die Löhne entsprechend erhöht wurden.

„Sie fordern den gleichen Lohn wie ihre dänischen Kollegen bei FLC. Außerdem sind sie unglücklich darüber, dass sie in den letzten zwei Monaten keine Prämie erhalten haben, wie sie ausgehandelt und vom Unternehmen versprochen worden war‟, sagt Rasmus Pedersen von dänischen Fachverband 3F.

Niedrigerer Stundenlohn

Das Konsortium FLC wird den 18 Kilometer langen Femern-Tunnel und die Tunnelelement-Fabrik bauen. Derzeit arbeiten 700-800 Menschen für FLC an dem Bau.

Laut Rasmus Pedersen ist es den polnischen Arbeitenden gelungen, die Unterstützung einiger ihrer dänischen Kollegen für ihren Protest gegen die ungleiche Bezahlung zu gewinnen. „Wir haben sie gedrängt, die Arbeit wieder aufzunehmen. Aber es ist schwer vorstellbar, dass sie weitermachen, wenn es keinen Durchbruch in den Verhandlungen zwischen den polnischen Arbeitnehmern und FLC gibt.‟

Bei dem Streit geht es um Unterschiede im Stundenlohn. Denn die dänischen FLC-Beschäftigten sollen etwa 185 DKK pro Stunde erhalten, während ihre polnischen Kollegen rund 140 DKK bekommen.

FLC verteidigt die ungleiche Entlohnung damit, dass die Polen im so genannten „Village‟ wohnen – Werkswohnungen in der Nähe der Baustelle, die speziell für die von weit her kommenden Projektbeschäftigten konzipiert wurden. Allerdings hat der Projekteigentümer, die Femern A/S, die Kosten für den Bau der Werkswohnungen getragen. Und nach eigenen Angaben seien die polnischen Bauarbeiter bereit, die Unterkunft selbst zu bezahlen, wenn sie den gleichen Lohn wie die dänischen Arbeiter erhalten.

Auftragnehmer überrascht

Bei FLC hat man wenig Verständnis dafür, dass sich die Beschäftigten des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt für einen Streik entscheiden. In den letzten Monaten habe das Konsortium zwei neue lokale Tarifverträge mit der polnischen Arbeitnehmervertretung abgeschlossen, erklärte Jess Hansen, Industrial Relations Manager bei FLC. „Wir haben im Mai und rückwirkend verhandelt, sodass die Lohnerhöhung in Kürze ausgezahlt wird. Daher ist es für uns eine große Überraschung, dass die Arbeiter streiken‟, sagt er.

Hansen zufolge hätten die polnischen Arbeitnehmer ihre Forderungen nach einer Lohnerhöhung auf rund 25 DKK pro Stunde angehoben. Dabei sei bereits eine geringere Erhöhung verhandelt worden.

Er selbst habe bereits mehrere Treffen mit der Arbeitnehmervertretung, der Gewerkschaft und seinem eigenen Management gehabt. „Aber im Moment sind wir von Arbeitsniederlegungen und Blockaden betroffen. Und es ist schwer zu kontrollieren, was vor sich geht, wenn 300 Leute schreien, dass sie die Ergebnisse ihrer eigenen Gewerkschaft nicht akzeptieren‟, sagt er. Weitere Treffen zwischen den Parteien seien geplant.

FLC hat eine klare Forderung aufgestellt, bevor sie wieder einen Dialog zur Änderung der Bedingungen für die Beschäftigten führen wird: „Die Voraussetzung für weitere Gespräche ist, dass die Arbeitsniederlegung aufhört.‟

Quelle: Building Supply

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