Am 18. Juni 2022 eröffnete der Staat Norwegen die Gedenkstätte für die Opfer des Terrorattentates vom 22. Juli 2011. Bei den Anschlägen waren im Regierungsviertel von Oslo und auf der norwegischen Insel Utøya insgesamt 77 Menschen ermordet worden.

Das von dem norwegischen Architekturbüro Manthey-Kula in Zusammenarbeit mit dem belgischen Landschaftsarchitekten Bas Smets konzipierte Mahnmal wurde am Ufer des Tyrifjorden an der Anlegestelle errichtet, von der aus die Jugendlichen mit der Fähre zur Insel Utøya übergesetzt haben. Mit ihm soll der zahlreichen Opfer und der Überlebenden gedacht und zugleich der große Einsatz der Lokalbevölkerung und der Rettungskräfte gewürdigt werden.

„Ein Ort des Gedenkens‟

Ministerpräsident Jonas Gahr Støre zeigte sich in seiner Ansprache sichtlich bewegt: „Seit den Anschlägen im Regierungsviertel und auf Utøya vom 22. Juli sind beinahe elf Jahre vergangen; ein dunkler Punkt in der Geschichte Norwegens. 69 Jugendliche im Sommerlager und 8 Personen im Regierungsviertel sind brutal getötet worden, viele weitere wurden verletzt und lebenslang traumatisiert. Die nationale Gedenkstätte am Utøya-Kai soll ein Ort des Gedenkens für Hinterbliebene, Überlebende, Freiwillige und Einsatzkräfte, Anwohnende und zukünftige Generationen sein.‟ Und er appellierte: „Wir wollen einander auch daran erinnern, wie wichtig der Kampf gegen Rassismus, Extremismus und Hass ist.‟

Deutsche Bronzekunst

Illustration der Gedenkstätte, vom Wasser aus gesehen. Bild: Statsbygg / Manthey Kula

Die Gedenkstätte umfasst einer geschwungenen Treppe hinunter zum Kai. Auf der untersten Stufe steht eine Reihe von 77 massiv gegossenen, je 3 Meter hohen Siliziumbronzestelen, eine für jedes Opfer.

Nach einer europaweiten Ausschreibung hatte die Kunstgiesserei Strassacker in Süßen/Baden-Württemberg den Auftrag erhalten, die 77 Bronzestelen für das Mahnmal anzufertigen und zu montieren. Die Säulen sind am oberen Ende mit einem durchgehenden massiven Bronzeband zu einem starken Konstrukt von ca. 50 Meter Gesamtlänge verbunden. Jede der Säulen wiegt ca. 400 kg. In individuell gestalteten Reliefs sind die Namen der Opfer dargestellt.

Luftaufnahme der Baustelle kurz vor der Fertigstellung im April 2022. Bild: Statsbygg

Die Geometrie der Gedenkstätte bezieht sich in ihrer Ausrichtung auf die Sonne auf den zeitlichen Verlauf des Terroranschlages. Der erste Bogen ist auf den Sonnenstand zu der Uhrzeit der Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel um 15.25 Uhr ausgerichtet. Der zweite Teil orientiert sich nach dem Sonnenstand im Zeitraum von 17.21 Uhr – 18.33 Uhr, während dem die Jugendlichen auf der Insel getötet wurden.

Das Mahnmal steht so nah am Wasser, dass die Stelen bei höherem Wasserstand ein Stück im Wasser stehen. Dies soll die Verbindung zum Wasser verdeutlichen, über das Anwohnende und der Schiffsführer der Fähre MS Thorbjørn zahlreiche Kinder retteten.

Quelle: Regjeringen.no /Kunstgiesserei Strassacker

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.