Bei den neuen Wohnquartieren Kungsörnen und Knoppen im schwedischen Helsingborg ist es Helsingborgshem und NCC gelungen, die Klimaauswirkungen in der Bauphase der Häuser im Vergleich zum Normalfall um die Hälfte zu reduzieren.

Das Quartier Högasten in Helsingborg. Foto: Jonas Linné, Helsingborgshem

In Högasten im südlichen Helsingborg erheben sich vier neue Wohnhäuser aus dänischem Backstein mit Solarzellen und Sedumdächern. Sie wurden Ende 2021 nach einem ungewöhnlichen Beschaffungs- und Bauprozess fertiggestellt. Durch die Gewichtung der Klimaauswirkungen in den Vergabeanforderungen und die große Freiheit der Auftragnehmer bei der Wahl der Materialien und des Zeitplans konnten sowohl die CO2-Emissionen als auch der Preis niedrig gehalten werden.

2018 erarbeitete das schwedische Zentralamt für Wohnungswesen, Bauwesen und Stadtentwicklung (Boverket) einen Gesetzesentwurf für Klimadeklarationen für Gebäude, aber die Festlegung von Grenzwerten für Klimaauswirkungen ließ auf sich warten. Außerdem fehlte es damals an Erfahrung und Wissen in der Branche.

„Das war der Auslöser für uns. Wir waren der Meinung, dass das Klimaproblem nicht warten kann, sondern wir wollten sofort etwas tun‟, sagt Tina Appelqvist, Klima- und Umweltmanagerin bei Helsingborgshem.

Fünf Angebote erhalten

Die Frage war, wie man zu vernünftigen Kosten klimafreundlich bauen kann. Helsingborgshem kam zu dem Schluss, dass eine Ausschreibung mit Anreizen für die Auftragnehmer, Lösungen zu finden, der beste Weg sei. Die Gewichtung der Beschaffungsanforderungen erfolgte zu achtzig Prozent nach dem Preis und zu zwanzig Prozent nach den Klimaauswirkungen. Und die Baufirmen hatten einen großen Spielraum bei der Wahl der Materialien, der Methoden und der Ausführungszeit.

Fünf Angebote gingen ein, und NCC erhielt den Zuschlag mit einem Angebot, das sowohl den geringsten CO2-Fußabdruck als auch den niedrigsten Preis aufwies. Und jetzt wurden die Wohnquartiere fertiggestellt.

Kungsörnen und Knoppen in Högasten sind aus Ortbeton gebaut. Der Beton ist zementreduziert und enthält 40 % Schlacke aus der Eisenindustrie, um den CO2-Fußabdruck zu verringern. Sowohl der Materialverbrauch als auch der Transport ließen sich durch eine verschlankte Bauweise und lokale Lieferanten auf ein Minimum reduzieren.

„Wenn wir auf der Baustelle betonieren, verwenden wir genau die Menge an Beton, die benötigt wird, und der Beton kommt aus nahe gelegenen Fabriken. Betonfertigteile werden oft aus Polen oder sogar noch weiter weg transportiert. Von der Baustelle aus waren es aber nur fünf Kilometer bis zur Betonstation‟, sagt Johan Eriksson, Bauleiter bei NCC.

Halbierung gegenüber den Referenzwerten

Die Ergebnisse der Berechnungen der Klimaauswirkungen des Baus zeigen eine Reduzierung um knapp die Hälfte im Vergleich zu den Boverket-Referenzwerten für Mehrfamilienhäuser. Durch die Minimierung des Materialverbrauchs ist die Konstruktion auch wirtschaftlicher geworden. Johan Eriksson weist auf die Vorteile hin, die sich ergeben, wenn Bauunternehmen mehr Zeit für die Durchführung von Bauprojekten erhalten: „Der Zeitdruck ist ein Problem in der Branche. Um Zeit zu sparen, setzt man zusätzlichen Zement ein, um die Trocknungszeit zu beschleunigen. Das ist inzwischen beinahe Standard, obwohl es eine unnötige Verschwendung von Ressourcen ist.‟

Ähnliches Vorgehen in Pålsjö Äng

Das Beschaffungskonzept fand nun auch beim laufenden Bauprojekt Pålsjö Äng in Helsingborg Anwendung. Bei dieser Ausschreibung konnten sich die Auftragnehmer auf einen neuen Leitfaden des IVL berufen, bei dem die Gewichtung auf 15 Prozent für die Klimaauswirkungen und 85 Prozent für den Preis geändert wurde.

„Wir hatten gelernt, dass es komplex ist. Branchenkollegen, die ähnliche Konzepte ausprobiert hatten, hatten nicht die gleichen guten Ergebnisse erzielt wie wir. Wir sind etwas vorsichtiger geworden und haben die Gewichtung der Klimaaspekte reduziert‟, sagt Tina Appelqvist.

NCC gewann auch diese Ausschreibung mit einem Angebot, das den niedrigsten Preis und die zweitniedrigsten Klimaauswirkungen aufwies.

„Was wir von Kungsörnen und Knoppen gelernt haben, ist, dass es möglich ist, große Verbesserungen in Bezug auf die Klimaauswirkungen zu erzielen, ohne die Qualität und den Preis zu beeinträchtigen. Das ist etwas, das wir bei allen Projekten anstreben sollten, unabhängig davon, ob der Kunde es verlangt oder nicht‟, sagt Johan Eriksson.

Quelle: Byggvärlden

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