Am 16. April 2026 lud die Deutsch-Schwedische Handelskammer gemeinsam mit der schwedischen Verkehrsbehörde Trafikverket zum Webinar „Business Opportunities in the Swedish Transportation Infrastructure” ein. Ziel war es, deutschen und europäischen Bauunternehmen einen strukturierten Überblick über den schwedischen Infrastrukturmarkt zu geben — mit konkreten Hinweisen auf Vergabevolumina, Marktzugang und praktische Erfahrungen aus der Zusammenarbeit vor Ort.

Schweden gibt pro Kopf 170 Prozent des deutschen Wertes für Infrastruktur aus – bei nur 13 Prozent der deutschen Bevölkerung. Der nationale Infrastrukturplan 2026–2037 umfasst ein Gesamtvolumen von rund 1.172 Milliarden Schwedischen Kronen. Die Mittel verteilen sich wie folgt:
- Schienenneuinvestitionen: 346 Mrd. SEK
- Straßeninstandhaltung: 354 Mrd. SEK
- Schienenistandhaltung: 210 Mrd. SEK
- Große Straßenbauprojekte: 86 Mrd. SEK
- Kleinere Investitionen: 70 Mrd. SEK
- Regionale Pläne: 61 Mrd. SEK
- Sonstiges: 45 Mrd. SEK
Die Budgets der nationalen Infrastrukturpläne sind seit 2010 kontinuierlich gestiegen. Der aktuelle Plan 2026–2037 liegt deutlich über allen Vorgängerplänen – ein klares Signal an den Markt.
Trafikverket: Auftraggeber mit Kapazitätsbedarf
Trafikverket ist die zentrale Planungs-, Bau- und Vergabebehörde Schwedens. Mit einem Jahresgeschäftsvolumen von rund 9,7 Milliarden Euro und knapp 12.000 Mitarbeitenden verantwortet sie:
- 98.500 km Staatsstraßen mit 16.600 Brücken und 30 Tunneln
- 14.200 km Schienennetz mit 535 Bahnhöfen, 4.100 Weichen und 165 Tunneln
- 40 Fährverbindungen mit 82 Anlegestellen
Angesichts der stark steigenden Investitionsvolumina sucht Trafikverket aktiv internationale Anbieter. Die Begründung ist pragmatisch: Die nationale Anbieterkapazität reicht nicht aus, um die geplanten Volumina zu bewältigen. Gleichzeitig soll mehr Wettbewerb entstehen — insbesondere in Segmenten, in denen die Zahl nationaler Bieter gering ist.
Um den Markteinstieg zu erleichtern, hat Trafikverket konkrete Maßnahmen ergriffen: Ausschreibungspläne und Executive Summaries auf Englisch, einen englischsprachigen Webauftritt, vorgelagerte Lieferantendialoge vor Vergaben sowie regelmäßige Business Days für internationale Unternehmen. Die Vergabeplattform ist ebenfalls auf Englisch zugänglich.
Der schwedische Baumarkt selbst ist stark konzentriert: 123.000 Unternehmen sind registriert, 88 Prozent davon mit maximal vier Beschäftigten. Die zehn größten Konzerne vereinen jedoch 60 Prozent des Umsatzes und 45 Prozent der Projekte auf sich. Für internationale Anbieter bedeutet das: Lokale Partnerschaften oder schwedischsprachiges Schlüsselpersonal sind in der Praxis keine Option, sondern eine Voraussetzung.
HOCHTIEF Infrastructure: Erfahrungen aus fast 20 Jahren Schweden-Geschäft
HOCHTIEF Infrastructure ist seit 2007 in Schweden aktiv und zählt damit zu den wenigen deutschen Bauunternehmen mit echter Langzeitpräsenz auf diesem Markt. Die Stockholmer Niederlassung mit rund 30 Mitarbeitenden hat sich auf komplexe Infrastrukturprojekte spezialisiert — darunter mehrere Tunnel- und Brückenbauwerke im Raum Stockholm sowie ein 26 Kilometer langer zweigleisiger Eisenbahnausbau.
Kristina Trnková, Country Managerin Sweden, fasste die zentralen Learnings in aller Kürze zusammen: Die schwedischen Standardvertragswerke (AB04, ABT06, ABK07, AMA) unterscheiden sich erheblich von deutschen Gepflogenheiten und erfordern intensive Einarbeitung. Early-Contractor-Involvement-Modelle (ECI) bieten Chancen zur frühen Projekteinbindung, setzen aber entsprechendes Know-how voraus. Als weiterer Hinweis: Der schwedische Arbeitsmarkt ist durch einen hohen Anteil an Selbstständigen, starke Gewerkschaften und eine wachsende Fachkräftelücke geprägt — Themen, die bei der Ressourcenplanung frühzeitig berücksichtigt werden sollten. Vertragssprache für öffentliche Aufträge ist Schwedisch.
Volvo CE: Elektromobilität auf der Baustelle wird Pflicht
Den Abschluss bildete Volvo Construction Equipment mit einem Ausblick auf die Nachhaltigkeitsanforderungen, die auf schwedischen Baustellen zunehmend verbindlich werden. Volvo CE bietet heute bereits ein breites Sortiment elektrischer Baumaschinen an — von Kompaktgeräten mit 48-Volt-Technik bis zu Großmaschinen mit 600-Volt-Ladesystemen und stationären Ladern bis 400 kW.
Referenzprojekte in Schweden belegen die Praxistauglichkeit: In Stockholm wurde ein neues Ladesäulenprojekt auf Kungsholmen vollständig mit elektrischen Arbeitsmaschinen realisiert. SkiStar betreibt Baustellen im Gebirge emissionsfrei, mit eigens aufgebauter Ladeinfrastruktur. Für internationale Bauunternehmen, die in Schweden tätig werden wollen, ist das ein konkretes Signal: Emissionsanforderungen für Baumaschinen werden in Schweden zunehmend in Ausschreibungen verankert. Wer frühzeitig investiert, sichert sich einen messbaren Wettbewerbsvorteil.
Quelle: Deutsch-Schwedische Handelskammer