Lynetteholm, die neue künstliche Insel in der Nähe von Kopenhagen, soll erst im Jahr 2070 fertiggestellt werden, aber die Bauarbeiten begannen offiziell am vergangenen Freitag.

Illustration der künstlichen Insel Lynetteholm
So soll die künstliche Insel vor Kopenhagen einmal aussehen. Bild: By & Havn

Als Erstes werden rund 2 Millionen Kubikmeter Material vom Meeresboden – Gyttja genannt – aus dem Hafen von Kopenhagen ausgehoben, verschifft und in der Bucht von Køge versenkt. Lynetteholms Bauherr, die Firma By & Havn, teilte mit, dass die Arbeiten Anfang Januar beginnen werden.

Und das, obwohl sowohl die schwedischen Behörden als auch mehrere dänische Gemeinden an der Küste der Køge-Bucht dem Projekt kritisch gegenüberstehen: „Wir sind besorgt über die grenzüberschreitenden Auswirkungen – die Ausbreitung von verschmutzten Massen in schwedische Gewässer‟, sagt Carl Lindqvist, Wasserverwalter bei der Bezirksverwaltung von Skåne.

Die dänischen Gemeinden Ishøj, Greve, Solrød, Køge und Stevns haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen.

„Wir machen uns Sorgen, was dies für die Meeresumwelt und die Küste bedeuten wird. Wir werden dagegen vorgehen‟, sagt Marie Stærke, Bürgermeisterin von Køge.

Arbeiten im Winter

Der Gyttja-Boden muss ausgehoben werden, um die äußere Begrenzung von Lynetteholm zu bauen. Das Material des Meeresbodens dort ist nämlich zu weich, um ein stabiles Fundament für die 7 km lange Halbinsel zu bilden, sodass es durch Sand ersetzt werden muss. Darüber hinaus muss eine Fahrrinne vertieft werden.

Ein kleiner Teil des Gyttja-Bodens ist so stark kontaminiert, dass er an Land in einer bestehenden Meeresschlammdeponie auf der Insel Refshale gelagert werden soll. Der Rest ist entweder sauber oder teilweise kontaminiert und wird auf zwei Deponien in der Bucht von Køge abgeladen. Dies wird bis Ende März 2022 und erneut in den Wintermonaten 2022/2023 geschehen, da die Verklappung von Gyttja in den dunklen Monaten am wenigsten Schaden anrichtet.

Kurz vor Beginn des Projekts betonen die schwedischen Behörden und die dänischen Gemeinden entlang der Küste der Køge-Bucht erneut, dass die Verklappung besser an einem anderen Ort erfolgen solle. Doch Ingvar Sejr Hansen, Entwicklungs- und Verkaufsdirektor bei By & Havn, erklärt: „Wenn man die Sache aus einer etwas größeren Perspektive betrachtet, sind diese Deponien eigentlich die besten Stellen. Das sind die Orte, an denen die Umwelt am wenigsten belastet wird.‟ Man sei sich aber darüber im Klaren, dass sich ein Großteil des Gyttja-Bodens verteilen wird und nicht am Deponierungsort verbleibt.

In der Nähe der Deponie – auf der schwedischen Seite der Grenze – befindet sich ein großes Natura 2000-Gebiet, was einer der Gründe für die Besorgnis auf der anderen Seite des Öresunds ist. Die Gemeinden an der Bucht von Køge haben bereits im Herbst ihre Bedenken geäußert. Daraufhin hat By & Havn eine technische Überprüfung von Lynetteholm vorgelegt, die sich auf das Verklappungsprojekt konzentriert. Die Einstellung hat sich jedoch nicht geändert.

„Die technische Überprüfung hat uns nicht beruhigt. Man hat uns viel erzählt, aber das hat uns nicht zu dem Schluss gebracht, dass wir damit leben können‟, sagt Marie Stærke.

Kritiker werden nicht beruhigt sein

By & Havn glaubt nicht, dass die schwedischen Behörden und die dänischen Gemeinden an der Küste der Køge-Bucht etwas zu befürchten haben. „Ich denke, es ist nur natürlich, dass sie besorgt sind und kritische Fragen stellen müssen, denn es handelt sich um ein Großprojekt, das enorme Mengen umfasst. Wir haben uns die Mühe gemacht, alle zu beantworten, und tun dies gerne noch einmal, weil wir über sehr, sehr gründliches Hintergrundmaterial verfügen und belegen können, dass es keine schädlichen Auswirkungen gibt‟, sagt Ingvar Sejr Hansen. Die Entwicklungsgesellschaft habe die führenden Berater des Landes beauftragt, sehr gründliche Analysen durchzuführen.

Doch Kritiker sind sich da nicht so sicher. Im Rahmen des Espooer Übereinkommens über grenzüberschreitende Umweltauswirkungen finden derzeit Konsultationstreffen zwischen den dänischen und schwedischen Behörden statt.

In den Gemeinden entlang der Küste der Køge-Bucht bereiten sich die Bürgermeister auf eine Auseinandersetzung vor. „Die Bürgermeister der fünf Gemeinden werden im neuen Jahr zusammenkommen, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, wie man dem entgegenwirken kann‟, sagt Marie Stærke.

Quelle: Building Supply DK

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