Ende Mai hatte die Stadt Oslo den Haushaltsentwurf für die Jahre 2021-204 vorgestellt. Dieser zeigte, dass einige Bauprojekte der Stadt erheblich teurer werden als ursprünglich veranschlagt. So auch die neue Trinkwasserversorgung Oslo, die bis 2028 stehen soll.

Ursprünglich waren für das Infrastrukturprojekt „Ny vannforsyning Oslo‟ 12,5 Mrd. NOK (ca. 1,23 Mrd. EUR) angesetzt, jetzt werden die Kosten schon mit 17,5 Mrd. NOK (1,67 Mrd. NOK) veranschlagt.

„Die anderen Bauskandale hier in der Stadt werden locker in den Schatten gestellt von diesem Projekt, das rund 5 Mrd. Kronen teurer wird als geplant. Dieser Stadtrat stellt einen neuen Rekord in kommunalen Bauskandalen auf, und vieles deutet darauf hin, dass das Management der großen Bauprojekte in den letzten Jahren fundamentale Mängel aufgewiesen hat‟, äußerte sich Hallstein Bjercke von Linken gegenüber der Zeitung Nettavisen.

Ursache: Branchenweiter Preisanstieg

Stadtratsmitglied Morten Nordskag aus dem Umwelt- und Verkehrsausschuss erklärte, die Kostensteigerung bei diesem Milliardenprojekt sei von einem starken Preisanstieg in der Baubranche verursacht.

Letzte Woche musste die Stadträtin Lan Marie Berg sich vor dem Stadtrat für die enorme Budgetüberschreitung rechtfertigen. „Es handelt sich um das größte Investitionsprojekt, das es in Oslo je gegeben hat. Es ist ein komplexes, herausforderndes Projekt. Außerdem haben wir es mit einem sehr engen Zeitplan zu tun‟, so Berg. Sie erklärte, die Angebote, die das Amt für Wasserwirtschaft (VAV) von den Bietern erhalten habe, seien erheblich teurer gewesen als erwartet.

Bereits im Dezember hatte VAV darüber informiert, dass mit einem Kostenanstieg zu rechnen sei; dies bestätigte dann ein Bericht, den Berg im Februar erhalten hatte – einen Tag, bevor sie mit der Auslösung der ersten Sprengung die Bauarbeiten startete. Erst zwei Wochen danach habe der Stadtrat von dem Milliardenloch erfahren.

Berg verteidigt sich: „Ich bin der Ansicht, dass wir diese Kostenentwicklung gut und schnell behandelt haben. Den Vorwurf, ich habe den Stadtrat zu spät informiert, weise ich daher zurück.‟ Eine frührere Information sei nicht möglich gewesen, weil sie noch nicht alle Informationen gehabt hätte und eine Bestätigung der tatsächlichen Zahlen noch ausstand.

Rohwassertunnel für ursprünglich 12,5 Mrd. NOK

Derzeit bezieht die Stadt 90 % ihres Trinkwassers aus dem Maridalsvannet. Die neue Wasserversorgung schließt Oslo dann an den Holsfjord an. Illustration: VAV

Das umfangreiche Projekt, das u.a. den Bau eines 19 Kilometer langen Rohwassertunnels vorsieht, hatte der Stadtrat im November 2019 genehmigt, mit einem Kostenrahmen von 12,5 Mrd. NOK. „Wir gingen davon aus, dass rund 80 Prozent des Projekts innerhalb dieses Kostenrahmens ausgeführt werden könnten‟, erklärte die Direktorin von VAV Anna Maria Aursund im Rahmen der Anhörung vor dem Stadtrat. Im November habe man die Angebote von den Bietern für den Bau des Rohwassertunnels erhalten und festgestellt, dass die Kosten höher sein würden als angenommen. „Mit dieser hohen Preissteigerung haben wir nicht gerechnet. Dazu kommt, dass es gerade recht viele Projekte dieser Art auf dem Markt gibt, also Infrastrukturprojekte, und es nur wenige Bieter gibt. Die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften ist begrenzt, das schränkt die Produktivität ein und erhöht die Preise – und auch die Corona-Krise hatte einen Anteil daran‟, so Aursund. Sie geht außerdem von einer weiteren Preissteigerung aus.

Stopp des Projekts nicht zu erwarten

Einen Stopp des Milliardenprojekts empfiehlt sie jedoch nicht: „Es ist richtig, dass wir die Vergabe weiterlaufen lasssen. Wir haben über vier verschiedene Möglichkeiten zur Beendigung des Verfahrens nachgedacht, doch alle Alternativen würden noch höhere Kosten und eine spätere Fertigstellung zur Folge haben.‟

Holte Consulting AS hat eine Qualitätssicherung der Kosten im Projekt vorgenommen und schlägt eine Erhöhung des Kostenrahmen vors: „Wir empfehlen einen Gesamtkostenrahmen von 17,7 Mrd. NOK. Im Moment lässt sich nur schwer sagen, wie die Marktentwicklung sich weiter auf die Preise auswirken wird.‟

Quelle: Nettavisen

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