Experten kritisieren die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung für Kopenhagens riesiges Inselprojekt. Eine Äußerung des Verkehrsministers Benny Engelbrecht lässt jetzt Zweifel aufkommen, ob die Insel jemals in der geplanten Form entwickelt wird.

Es war ein aufsehenerregender Moment, als der ehemalige Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen (V) vor drei Jahren seine Vision für Lynetteholmen präsentierte – eine neue Insel im Kopenhagener Hafen, die eine Menge Probleme lösen sollte: Wohnungsnot, Verkehrsprobleme, Klimawandel und mehr. Auf rund 2 Mio. Quadratmetern im Öresund sollte ein neuer Stadtteil entstehen.

Illustration des künstlichen Stadtteils Lynetteholm in Kopenhagen
So soll Lynetteholm später einmal aussehen. Bild: By og Havn

Bis 2035 sollen 80 Mio. Tonnen Erde und 28 Mio. Kubikmeter Sand im Öresund aufgeschüttet werden, um eine große künstliche Insel zu schaffen. Später sollen dort dann Wohnraum, eine Ringstraße und eine Metro-Anbindung entstehen.

Doch nun gibt Verkehrsminister Benny Engelbrecht (S) gegenüber der dänischen Rundfunkanstalt DR eine Erklärung ab, die Zweifel an dem Projekt aufkommen lässt – zumindest an den Teilen Wohnen und Verkehr.

Die Erklärung kommt nach der Kritik von mehreren Experten, die der Ansicht sind, dass das Projekt nicht die notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfungen hat. Denn die aktuelle Umweltverträglichkeitsprüfung hat die oben genannten Elemente noch überhaupt nicht untersucht. Laut Verkehrsministerium sollen diese Fragen in späteren, separaten Umweltverträglichkeitsprüfungen untersucht werden, wenn es dazu politische Beschlüsse gibt.

Es geht um die Umwelt

Schon in diesem Jahr soll mit dem Bau der Insel selbst begonnen werden, unter anderem mit Aufschüttungen mit Material aus dem Metro-Bau. Doch genau diese Aufschüttung könnte den ehrgeizigen Stadtentwicklungsplänen jetzt einen Strich durch die Rechnung machen. Auf der anderen Seite des Öresunds haben 33 schwedische Gemeinden darum gebeten, das Projekt auf Eis zu legen, bis eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung vorliegt.

Einer der Kritikpunkte der Schweden ist, dass die Auswirkungen auf die Meeresumwelt durch den Abbau von Millionen von Tonnen Sand aus dem Riff Kriegers Flak weiter südlich nicht berechnet wurden. „Wenn es um so ein großes Projekt geht, muss man sich einen vollständigen Überblick über sämtliche Umweltauswirkungen verschaffen, die es haben wird‟, erklärte Carl Lindqvist aus der Wasserverwaltung der Region Skåne.

Anne Skovbro von By og Havn, dem staatlichen Unternehmen, das für den Bau von Lynetteholm verantwortlich ist, sieht die Umweltauswirkungen als nicht problematisch an: „Wenn Sie eine Sturmflutsicherung bauten, hat dies natürlich Konsequenzen für die Umwelt. Wir müssen untersuchen, ob es wesentliche Konsequenzen sind. Und was wir – in Bezug auf den Öresund – derzeit sehen können, ist, dass es es keine wesentlichen Konsequenzen geben würde.‟

Eine Insel ohne Bebauung und Metroanbindung?

Als Lars Løkke Rasmussen das Inselprojekt damals präsentierte, hatte er die Vorstellung, dass 2035 mit der Entwicklung des neuen Stadtteils auf auf Lynetteholm begonnen werden könnte. Doch aktuell fragen sich viele, ob diese Perspektive vielleicht noch länger wird. Oder ob es überhaupt dazu kommt.

Verkehrsminister Benny Engelbrekt ist der Ansicht, dass bei der Umweltverträglichkeitsprüfung alle Vorschriften eingehalten wurden, und bestreitet, dass die Folgen des Baus von Wohnungen, einer Metro und einer Umgehungsstraße jetzt überhaupt schon abgeschätzt werden können. Schließlich seien diese Teile des Projekts politisch noch nicht entschieden. „Aber ist es denkbar, dass Lynetteholmen nicht mehr als eine Insel im Wasser sein wird?‟, fragt der DR-Journalist nach, worauf der Minister antwortet: „Man kann sich vieles vorstellen.‟

Quelle: Dagens Byggeri / DR

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