Trafikverket in der Kritik. Bild: Holger.Ellgaard / wikimedia commons

Die Arbeiten an den Tunneln mussten mehrmals unterbrochen werden. Ein Feuer hätte verheerende Folgen haben können. Ein Inspekteur für Arbeitsbedingungen wurde bei einer Sprengung durch eine Druckwelle verletzt. Nun wurde das Megaprojekt „Stockholm Förbifart“ zum zweiten Mal mit dem Preis „Schlechtester Bau des Jahres‟ prämiert.

Beim Teilprojekt „Lovön‟ haben sich in diesem Frühjahr und Sommer die Meldungen zu Gefahren und Problemen gehäuft. Bei mehreren Gelegenheiten waren die Arbeiter hohen Verletzungs- und Unfallrisiken ausgesetzt, sodass das schwedische Zentralamt für Arbeitsumwelt Arbeitsverbote auferlegt hat. Seit dem letzten Jahr wurden die Arbeitsplätze bei diesem Bau immer wieder überwacht.

Stopp der Arbeiten

Erst im Sommer waren die Arbeiten am Tunnel gestoppt worden. Das Zentralamt für Arbeitsumwelt hatte mehrere Fehler festgestellt: unsichere Fluchtwege, die mit Material zugestellt waren, Rettungskammern in zu langen Abständen, nicht gekennzeichnete Aushöhlungen, fehlende Übersicht darüber, wer sich gerade wo in den Tunneln aufhielt. Und es gab keinen Evakuierungsalarm.

Die Inspekteurin für Arbeitsumwelt Anna-Carin Nordlund sprach die Verbote aus. „Es handelte sich um ernste Risiken. Die Arbeiter hätten sich bei eine Feuer oder einer Explosion nur schwer ins Freie oder in Sicherheit bringen können. Die Folge könnte sein, dass Rettungspersonal nicht weiß, wo die Arbeiter sich befinden, was die Rettung erschwert.‟

Schwere Vorwürfe gegen Trafikverket

Im Juni hatte die Aufsichtsbehörde die Arbeiten für zwei Tage gestoppt, später stoppten die Bauherrin Trafikverket und der Hauptauftragnehmer Lovön Samverkan AB die Arbeiten, weil abhilfeschaffende Maßnahmen nicht rechtzeitig umgesetzt worden waren.

Die Forderungen nach Verbesserungen richteten sich nicht nur gegen das Bauunternehmen, sondern auch gegen die Bauherrin Trafikverket. Der Behörde wurde zusätzlich eine Millionenstrafe angedroht. Anna-Carin Nordlund erklärte, Trafikverket habe eine besonders hohe Verantwortung in der Koordination der Arbeiten, habe sich aber nicht entsprechend verhalten.

„Es gab über einen längeren  Zeitraum mehrere schwere Probleme mit der Arbeitsumwelt. Bei bestimmten Arbeitsschritten haben sie nichts unternommen, bis wir mit Strafen gedroht haben. Sie haben sich also nicht so verhalten, wie wir es uns von einem Bauherrn vorstellen.‟

Johan Brantmark, Projektleiter für das Projekt „Förbifart Stockholm‟, bedauert die Ernennung zum „schlechtesten Bau des Jahres“ und bestreitet die Vorwürfe, dass ein Inspekteur bei Sprengarbeiten verletzt worden sei. Er führte darüber hinaus aus, die vom Zentralamt für Arbeitsumwelt beanstandeten Mängel seien auf die Größe des Projektes zurückzuführen. „Es ist eine sehr große Baustelle, und es hat viel Zeit gekostet, bis dahin zu kommen. Bei einigen Punkten haben wir Korrekturen vorgenommen, und ich bin der Ansicht, beim Projekt Lovön haben wir eine geordnete, gut Situation.‟

Beschwerden von Bauunternehmern

Aber nicht nur wegen der Arbeitssicherheit steht das Projekt in der Kritik. Nachfragen des Branchenblattes „Byggindustrin‟ bei mehreren Beteiligten Bauunternehmen beschweren sich über die Zusammenarbeit mit Trafikverket. Man müsse mit mehrjährigen Verzögerungen und um viele Hundert Millionen Kronen höheren Kosten rechnen.

Quelle: Byggindustrin / Byggarbetaren

 

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