In Norwegen setzen sich bei Straßenbauausschreibungen immer noch meist norwegische Unternehmen durch. Niedrige Preise und eine bessere Marktkenntniss sollen hierfür die Ursache sein.

Fünf vom staatlichen Straßenbauunternehmen Nye Veier AS vergebene Aufträge mit einem Gesamtwert von mehr als 9 Mrd. NOK (ca. 960 Mio. EUR) wurden bisher an norwegische Unternehmen vergeben ‒ obwohl das Interesse aus dem Ausland spürbar gestiegen ist. Häufig erreichen die Konkurrenten aus dem Ausland jedoch nicht einmal eine Präqualifikation, weil sie die hohen Anforderungen im Hinblick auf Umwelt-, Sicherheits- und Gesundheitsschutz nicht erfüllen. Darüber hinaus kennen die norwegischen Unternehmen die besonderen Herausforderungen, die u.a. mit der Topografie des Landes verbunden sind, am besten und können so besser kalkulieren. Ausländische Wettbewerber würden häufig ein recht hohes Sicherheitspolster einkalkulieren, wenn sie neue Märkte zu erschließen versuchen, so ein Kommentar der Branchennachrichten Byggeindustrin.

Bjørn Børseth von Nye Veier AS schildert die Situation so: „Bei den ersten drei Ausschreibungen konnten sich drei ausländische Akteure qualifizieren, nur zwei haben ein Angebot abgegeben, und in beiden Fällen hatten sie den höchsten Preis und schnitten bei den anderen Kriterien am schlechtesten ab.‟ Bei den anderen beiden großen Verträgen, die Nye Veier ausgeschrieben hatte, hatte sich keiner der ausländischen Bewerber qualifizieren können.

Angebotsabgabe auf Englisch

Zwischen sieben und zehn Unternehmen hatten sich jeweils um eine Teilnahme an den Ausschreibungen beworben, der überwiegende Anteil davon waren Bewerber aus dem Ausland. Doch von den Unternehmen, die sich qualifizieren konnten, waren 75 Prozent aus Norwegen.

Børseth betonte, die norwegischen Unternehmen würden nicht bevorzugt. Doch er habe von vielen ausländischen Unternehmen die Rückmeldung erhalten, dass vor allem die Tatsache, dass die Vergabe auf Norwegisch erfolge, eine große Herausforderung sei.

Nye Veier reagiert darauf und wird in der nächsten Ausschreibung im Megaprojekt E39 Angebote auf Englisch zulassen.

Norwegische Dominanz überrascht nicht.

Erik Frogner, Projektleiter beim norwegischen Bauunternehmen AF Anlegg, ist nicht überrascht über die Dominanz der norwegischen Akteure. „Als Vertreter der norwegischen Unternehmen bin ich versucht zu sagen: Haben wir es nicht gesagt?" Vor einigen Jahren fürchteten viele, die norwegische Berater- und Bauunternehmerlandschaft verfüge nicht über ausreichend Kapazität und Kompetenz, um die riesigen Infrastruktur- und Verkehrsprojekte auszuführen, die geplant waren. Dass jetzt norwegische Unternehmen all diese Ausschreibungen gewonnen haben, zeigt, dass es uns gelungen ist, schlagkräftige Konstellationen aus Beratern und Bauunternehmen zu bilden, die bei den großen Totalaufträgen konkurrenzfähig sind.‟

Auch Albert Hæhre von BetonmastHæhre ist überzeugt, dass die norwegische Dominanz in der Kompetenz und Erfahrung der norwegischen Unternehmen begründet liegt. „Klima, Geologie, Gelände und einige andere Faktoren führen dazu, dass die Art und Weise, wie wir Straßen bauen, sich von der beispielsweise von spanischen Unternehmen unterscheidet. Es ist daher nur natürlich, dass wir in dieser Hinsicht besser qualifiziert sind.‟

Quelle: Byggeindustrin
Bild: Fotolia/Andrey Armyagov

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.