Erstmalig werden in Norwegen synthetische Eisenbahnschwellen getestet. Die norwegische Behörde Jernbaneverket verspricht sich davon eine 30 bis 40 Jahre längere Lebensdauer.

In ganz Norwegen bestehen die Eisenbahnschwellen bisher aus Holz, das mit Kreosot imprägniert wurde, einem Material, der als krebserregend gilt und im Verbraucherbereich seit 2003 per EU-Richtlinie verboten ist. Für Industriezwecke darf der Stoff noch verwendet werden, ist aber seit einer Änderung der Richtlinie 2013 mit strengeren Auflagen verbunden. Ab 2018 dürfen keine neuen Kreosotschwellen mehr verlegt werden.

Die norwegische Eisenbahnbehörde Jernbaneverket testet nun exemplarisch an der 28 m langen Brücke über den Retelva in Fidjetun synthetische Schwellen aus Japan. „Die bisherigen Schwellen haben ihre maximale Lebensdauer erreicht, es war also an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Eine gute Gelegenheit, eine Alternative zu den heutigen Kreosotschwellen zu testen‟, erklärte Projektleiter Ingar Uldal von Jernbaneverket.

Hierfür wurde zunächst untersucht, welche Lösungen in Europa sonst noch verwendet werden. „Wir fanden synthetische Schwellen, die in Japan produziert werden. In Deutschland und in der Schweiz werden sie häufig eingesetzt und sollten sich daher auch im norwegischen Klima gut eignen‟, so Uldal.

Längere Lebensdauer

Die synthetischen Schwellen bestehen auf einer Glasfaserbasis. Sie nehmen nicht im gleichen Maße Wasser auf wie die heutigen Schwellen und brennen nicht, ein großer Vorteil angesichts der vielen Schweißarbeiten im Gleisbau. Uldal geht außerdem davon aus, dass die neuen Schwellen eine längere Lebensdauer aufweisen als die Kreosotschwellen. „Grob geschätzt rechne ich mit einer um 30 bis 40 Prozent längeren Lebensdauer als bisher.‟

Die getesten Schwellen liegen preislich etwas über den bisher verwendeten Schwellen. Uldal: „Sollten wir uns für diese Lösung entscheiden, würden wir sehr große Mengen bestellen, was den Preis senken würde. Ich glaube nicht, dass sie erheblich vom heutigen Preis abweichen würden. Da die Lebensdauer sich verlängert, werden wir langfristig sogar Geld sparen.‟

Verkaufsverbot für Kreosotschwellen

Neben der Suche nach alternativen Lösungen hat die Eisenbahnbehörde auch ein Verkaufs- und Weitergabeverbot für Holz, das mit Kreosot imprägniert wurde, eingeführt.  Harry Korslund von Jernbaneverket erklärt: „Wir wollen nicht dazu beitragen, dass Kreosotholz unrechtmäßig verwendet wird oder nicht als gefährlicher Abfall entsorgt wird, daher haben wir den Verkauf und die Weitergabe des Holzes verboten.‟ Die Abholung von umweltgefährdenden Abfällen sei in allen Verträgen mit den Bauunternehmen streng reguliert. Wird heutzutage neu gebaut, werden größtenteils Betonschwellen verwendet, doch diese eignen sich nicht für alle Strecken. Daher muss Jernbaneverket sich nach Alternativen umsehen.

Quelle: Teknisk Ukeblad
Bild: Jernbaneverket

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