Zahlenkrieg: Nach massiver Kritik der Verkehrsprognosen in der Untersuchung zur festen Fehmarnbelt-Querung kommt für die Betreibergesellschaft Femern A/S jetzt Unterstützung von Forschern der DTU (Dänischen Technischen Universität) und der Universität Kopenhagen. Die Analysen würden denselben Spielregeln folgen wie bei der Öresundbrücke und der Verbindung über den Großen Belt, so heißt es.

Einige Forscher, die Fährgesellschaft Scandlines sowie ein ehemaliger Beamter der Obersten Straßenbaubehörde hatten die Berechnungen, auf denen die Fehmarnbelt-Querung basiert, heftig kritisiert. Aber die Meinungen unter den Wissenschaftlern sind geteilt. Mogens Fosgerau, Verkehrswissenschaftler an der DTU, ist nämlich der Ansicht, die Untersuchungen hätten alle Spielregeln befolgt.

„Ich kann nicht sehen, dass Femern A/S die Untersuchung auf unangemessene Weise durchgeführt hat, im Rahmen der Möglichkeiten, die ihr zur Verfügung standen. Das erinnert an Projekte wie die Verbindung über den Großen Belt und die Öresundbrücke, bei denen man ähnlichen Problemstellungen mit dem Fährverkehr ausgesetzt war‟, so Fosgerau. Der Fährverkehr sei in der Tat problematisch, aber seiner Ansicht nach gehe Femern A/S auf eine Weise damit um, die vertretbar sei. „Natürlich ist es eine Vereinfachung, wenn man den gesamten Verkehr im Durchschnitt betrachtet, aber ich sehe nicht, wie man es anders hätte machen können.‟

Riskantes Geschäft

Dies steht in deutlichem Kontrast zu den Äußerungen aus Mitte Januar von Experten wie dem ehemaligen Straßen- und Verkehrsdirektor der Straßenbaubehörde Knud Erik Rasmussen und den Verkehrswissenschaftlern Harry Lahrmann und Per Homann Jespersen, die die neue Analyse heftig kritiseren. Eine Analyse, die zu dem Schluss kommt, dass das Projekt über einen Zeitraum von 50 Jahren einen volkswirtschaftlichen Ertrag in Höhe von 5,4 % erwirtschaften kann.

Die Kritik gründet darauf, dass das Verkehrsmodell, das die Femern A/S verwendet, nicht berücksichtigt, dass die Fährgesellschaft den Fährbetrieb auch nach dem möglichen Bau des Tunnels fortsetzen will.

Harry Lahrmann nannte das Fehmarn-Projekt ein "risky business", während Per Homan Jespersen die Untersuchung als „nicht besonders ehrlich‟ bezeichnete. Knud Erik Rasmussen vertrat die Ansicht, die Analyse würde „die einfachsten Anforderungen an fachliche Gründlichkeit‟ nicht befolgen.

Absolute Sicherheit hat man nie

Mogens Fosgerau gibt nicht viel auf diese Kritik. „Natürlich geht es immer noch besser, aber zu behaupten, die Untersuchung befolge nicht mal die einfachsten Anforderungen an fachliche Gründlichkeit, ist gelinde gesagt ein bisschen übertrieben‟, sagte er. Ob er der Ansicht sei, dass man politisch mit diesen Analysen gut aufgestellt sei? „Absolute Sicherheit bekommt man wohl nie. Aber ich denke, sie sind ausreichend. Ich bin auf nichts gestoßen, dass in der Analyse unangemessen ist.„

Gewinne unterschätzt

Der Professor der Universität Kopenhagen Christian Wichmann Matthiessen, Mitglied der Infrastrukturkommission, ist derselben Ansicht wie Mogens Fosgerau. Den Verkehrswissenschaftlern könne er nicht zustimmen. Wie die Gesellschaft Femern A/S sei auch er der Meinung, Scandlines sei nach Fertigstellung des Tunnels nicht mehr in der Lage, den Fährbetrieb aufrechtzuerhalten. „Ich bin ziemlich sicher, dass der Fährroute Rødby-Puttgarden die Puste ausgehen wird‟, erklärte er. Darüber hinaus sagte er, die wirtschaftlichen Analysen des Projektes seien eher konservativer Art. „Ich glaube, dass die Konsequenzen dieses enormen Infrastrukturprojektes unterschätzt werden. Es geht hier nicht nur um Einsparungen bei der Reisezeit, sondern um eine Reihe von dynamischen Effekten, die in den Modellberechnungen gar nicht berücksichtigt wurden‟, so Christian Wichmann Matthiessen. „Der zukünftige Verkehr wird nicht überschätzt, sondern unterschätzt. Ganz neue Wechselbeziehungen ‒ wirtschaftliche wie soziale ‒ werden in Erscheinung treten, und diese Effekte sind in dem Modell gar nicht berücksichtigt.‟

Glaubwürdigkeit problematisch

Trotz seiner Unterstützung für die Femern A/S ist Mogens Fosgerau der Meinung, die Diskussion über das Projekt sei der Ausdruck eines grundlegenden Problems. Er sei prinzipiell der Ansicht, derartige Analysen sollten noch unabhängiger durchgeführt werden.

„Femern A/S hat deutlich mehr vorgelegt, als man es beim Großen Belt und am Öresund getan hat. Aber offenbar haben sie ein Problem mit der Glaubwürdigkeit, wenn sie eigene Berechnungen vorlegen. Das verursacht Fragen nach einer einseitigen Perspektive, die wohl geringer wären, wenn hinter den Analysen andere stehen würden.‟
 

Quelle: Altinget.dk

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