Der schwedische Zementhersteller Cementa hat beim Boden- und Umweltgericht erneut einen Genehmigungsantrag eingereicht. Diese soll den Kalkabbau für vier weitere Jahre in Slite auf Gotland ermöglichen. Cementa zufolge enthält dieser Antrag deutlich mehr Messungen als der frühere Antrag. Dieser war im letzten Jahr abgelehnt worden und hatte eine Zementkrise in Schweden ausgelöst.

Das Werk Cementa-Werk in Slita auf Gotland. Bild: Cementa

Die derzeitige befristete Genehmigung von Cementa gilt bis zum 31. Dezember 2022. Die jetzt beantragten Aktivitäten betreffen ein deutlich kleineres Gebiet als der vorherige Antrag, so dass die lokalen Umweltauswirkungen nach Angaben von Cementa deutlich geringer sind.

Auswirkungen auf das Grundwasser

Die Unterlagen sind seit dem letzten Mal weiterentwickelt worden. Sie beinhalten wesentlich mehr Messungen, zum einen, weil seit der Einreichung des ursprünglichen Antrags im Jahr 2017 viel Zeit vergangen ist, aber auch, weil Cementa den Antrag durch zusätzliche Untersuchungen ergänzt hat. Die während der Anhörung im Winter vorgebrachten Kommentare hat Cementa nach eigenen Angaben berücksichtigt. Dabei ging es vor allem um die Auswirkungen auf das Grundwasser und Natura 2000.

„Selbst mit mehr Messdaten und mehr Arten von Untersuchungen ergibt sich insgesamt das Bild, dass die vorgeschlagene Tätigkeit voll und ganz mit den Umweltvorschriften vereinbar ist. Nachhaltigkeit auf der Grundlage hoher Umweltstandards ist nach wie vor ein wichtiges Leitmotiv für die Arbeit von Cementa‟, sagt Karin Comstedt Webb, Sustainability Manager bei HeidelbergCement Nordeuropa.

Dringende Bearbeitung erwünscht

Cementa schreibt in seiner Pressemitteilung, es sei wichtig, dass der Fall von den Gerichten und Konsultationsgremien schnell behandelt werde, damit man die Produktion und Lieferung von Zement in Schweden ohne Unterbrechung fortsetzen könne. Um die Versorgungssicherheit während eines laufenden Gerichtsverfahrens und möglicher Rechtsmittel zu gewährleisten, beantragt Cementa einen Vollstreckungsbescheid.

Mithilfe von externem Gestein von Nordkalk und den Reserven von Kunda Nordic Tsement in Estland hofft Cementa derzeit, bis zum Hochsommer 2023 in vollem Umfang liefern zu können. Danach sei die Lage und Entwicklung ungewiss. Nach Angaben des Unternehmens besteht unter anderem die Gefahr einer Überflutung der Annahme- und Brecheranlagen im Steinbruch, da Cementa ohne Genehmigung dort kein Wasser abpumpen darf.

„Eine Übergangslösung‟

Der jetzt eingereichte Antrag gilt für vier Jahre und soll nach Angaben von Cementa als Übergangslösung dienen, „bis langfristige Bedingungen für die schwedische Zementindustrie geschaffen sind‟.

Um die Jahreswende 2022/2023 plant Cementa, ebenfalls einen Antrag auf eine langfristige Abbaugenehmigung zu stellen.

„Die sichere Versorgung Schwedens mit den wichtigsten Rohstoffen für den Gesellschaftsbau ist ein hochaktuelles Thema, und Zement ist dabei keine Ausnahme. Das Slite-Werk ist hier von entscheidender Bedeutung, sowohl heute als auch langfristig. Die zukünftige Entwicklung wird von einer guten Zusammenarbeit mit Behörden und Politik abhängen‟, sagt Magnus Ohlsson, CEO von Cementa.

Initiative zur Klimaneutralität

Eine langfristige Abbaugenehmigung ist nach Angaben des Unternehmens auch Voraussetzung für die Realisierung des geplanten Klimaschutzprojekts im Werk, bei dem HeidelbergCement das feste Ziel hat, im Jahr 2030 das weltweit erste klimaneutrale Zementwerk in Slite in Betrieb zu nehmen. Derzeit wird intensiv an einer Machbarkeitsstudie für CCS (Carbon Capture and Storage) gearbeitet.

Catharina Elmsäter-Svärd, Vorsitzende des Branchenverbands Byggföretagen, begrüßt, dass ein erneuter Antrag gestellt wurde, betont aber, dass die Zementkrise noch nicht vorbei ist: „Die gesamte Bauindustrie ist auf die eine oder andere Weise vom Zement abhängig. Jetzt müssen alle schnell handeln, um den Fortbestand des schwedischen Kalkabbaus zu sichern.‟

Frühjahrshaushalt ohne Zementkrise

Anfang April veröffentlichte Byggföretagen seine jüngste Wirtschaftsprognose, in der sich die Prognose für das BIP-Wachstum aufgrund eines Zementmangels auf bescheidene 0,3 % im Jahr 2023 beläuft. Diese Prognose steht im Kontrast zu der der Regierung, die für das nächste Jahr ein Wachstum von 1,8 % erwartet.

„Es ist bemerkenswert, dass Finanzminister Mikael Damberg auf der Pressekonferenz zum Frühjahrshaushalt am Dienstag den Zementmangel nicht als Bedrohung für Wirtschaft und Beschäftigung erwähnt hat‟, so Elmsäter-Svärd.

Die Produktion in Slite macht etwa 75 % des in Schweden verwendeten Zements aus. Laut einer von Byggföretagen im letzten Jahr durchgeführten Folgenabschätzung könnten ohne diese Mittel drei von vier Wohnungen nicht gebaut werden. „In Schweden besteht nach wie vor die Gefahr eines umfangreichen Baustopps‟, sagt Catharina Elmsäter-Svärd.

Quelle: Byggvärlden

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