1450 Meter tief im Berg, unter einer 600 m dicken Felsschicht, wurde eine Halle ausgesprengt, in der ein zehnstöckiges Gebäude Platz hätte. In gut zweieinhalb Jahren soll dort ein funktionstüchtiges Kraftwerk stehen, das 75.000 Haushalte im Bezirk Rogaland mit Elektrizität versorgt.

Davor müssen jedoch noch die letzten 3.500 m von insgesamt 11 km Tunnel in den Fels gesprengt und gebohrt werden. 7,8 km davon werden Wasser aus den Magazinen bis in die Turbine in der Halle transportieren.

Die Magazine sind heute bereits in Betrieb und produzieren Strom für den Stromlieferanten Lyse AS in Lysebotn. Mit dieser 1,8 Mrd. NOK (196 Mio. EUR) teuren Anlage soll die gleiche Wassermenge rund 15 Prozent mehr leisten können.

In Nachbarschaft des Preikestolen

Rund anderthalb Stunden Fahrtzeit mit dem Boot benötigt man aus Stavanger bis hinein in den Lysefjord. Dort liegt, im Schatten der größten Touristenattraktion Norwegens, dem Preikestolen, Lysebotn. Durchschnittlich 2078 mm Regen gibt es hier pro Jahr, fast doppelt so viel wie in Stavanger. Entlang des Lysefjords sind drei der größten Kraftwerke des Betreibers Lyse AS platziert.

40 m hohe Halle

  

Die Fahrt hinein in den Berg dauert drei bis vier Minuten, es sind gut anderthalb Kilometer zurückzulegen. So liegt die Felshalle tief genug im Berg, um sicherzustellen, dass das Gestein in der Lage ist, den Druck des neuen Kraftwerks aufzunehmen, das ab Frühjahr 2018 die Kraft der Wassermengen zur Stromproduktion nutzen soll.

 

Die Felshalle, in der das Kraftwerk stehen soll, misst vom Boden bis zur Decke gut 40 m. Und es müssen noch einige Meter ausgesprengt werden, bis die Halle groß genug ist. Die tiefste Turbinenetage wird 15 m unter dem Meeresspiegel liegen.

Nach den Sprengungen werden die Wände ausgekleidet und der Boden gegossen. Dann beginnen die Installationsarbeiten für das neue Kraftwerk. Im Januar 2017 soll alles soweit fertig sein, dass mechanische Gerätschaften wie Turbinen und Generatoren montiert werden können.

Moderne Anlage

Bereits 1953 wurde der erste Teil des Lyse-Kraftwerks in Betrieb genommen. Nach zahlreichen Erweiterungen verfügt das Kraftwerk heute über sechs Pelton-Turbinen. Doch das Kraftwerk ist nahezu am Ende der vorgesehenen Lebensdauer und Leistungsfähigkeit. Eine Erweiterung, um weitere 30-50 Jahre bestehen zu können, würde sehr umfangreiche Maßnahmen erfordern. Daher beschloss das Energieunternehmen Lyse, neu zu bauen.

„Das Kraftwerk wurde für den damaligen Strommarkt gebaut. Uns war klar, dass wir langfristig damit etwas würden machen müssen. Würden wir die Anlage weiter betreiben, wäre u.a. eine erhebliche Modernisierung der Aggregate erforderlich. Und eine 60 Jahre alte Anlage zu sanieren, hätte ein hohes Risiko bedeutet‟, erklärte Bjørn Roger Otterdal, Leiter des Projekts Lysebotn II.

Daneben hätte man die Produktion der Anlage für mindestens ein Jahr, evtl. anderthalb, aussetzen müssen. „Jetzt können wir mit der alten Anlage weiter Strom produzieren, während wir die neue bauen. Wir bekommen eine moderne Anlage, vollautomatisiert, designt und gebaut für den Energiemarkt der Zukunft. Die neue Anlage wird leistungsfähiger sein, so können wir bedarfsgerecht produzieren. Und so bekommen wir auch bessere Preise für das Produkt, das wir liefern‟, so Otterdal.

Die neue Anlage soll eine Lebensdauer von 60 bis 70 Jahren haben.

Quelle: Teknisk Ukeblad
Bilder: Kristoffer Rydde

 

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