Bei weitem die meisten Verkehrskilometer in Dänemark werden auf der Straße abgewickelt. Trotzdem gehen zwei Drittel der Bauinvestitionen in die Eisenbahn. Das haben neue Zahlen jetzt gezeigt. Nach Ansicht einiger Branchenverbände ist diese Verteilung nicht ausgewogen.

Die Verwendung staatlicher Baugelder läuft buchstäblich wie auf Schienen. Seit 2009 hat der dänische Staat 51,5 Mrd. DKK (rund 7 Mrd. EUR) in die Eisenbahn gesteckt, aber nur 29,5 Mrd. (4 Mrd. EUR) in Straßen. Das hat jetzt eine Aufstellung des Ministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen ergeben.

Die Bahn läuft mit 64 % der Mittel, während die Straßen 36 % erhalten. Nach Ansicht des Geschäftsführers der Abteilung Dänische Infrastruktur im Branchenverband Dansk Byggeri Henrik Friis sei die Verteilung nicht gerecht, wenn zwei Drittel in die Bahn und nur ein Drittel in die Straßen investiert würde, aber 80 % der jährlich gefahrenen Kilometer auf den Straßen erfolgen, während 8 % per Bahn und die restlichen 12 % per Flugzeug, Fähre, Rad und Motorrad geschehen.

Henrik Friis, Dansk Infrastruktur. Bild: Ricky John Molloy

„2009 wurde beschlossen, massiv in die Eisenbahn zu investieren. Trotzdem ist es nicht gelungen, den Anteil der Bahn am Verkehr zu steigern. Im Gegenteil: Der Straßenverkehr hat weiter zugenommen. Das sollte den Politikern zu denken geben, ob ihre Strategie möglicherweise versagt hat‟, so Friis.

Dieser Ansicht ist auch Anders Hundahl, Geschäftsführer des Verbands Asfaltsindustrin, der es als „Wahnsinn‟ bezeichnete, dass die Gelder entgegen dem dänischen Verkehrsmuster verteilt würden.

Straßenprojekte priorisieren

„Es ist ein schreiendes Missverhältnis, wie diese Gelder eingesetzt werden. Es passt einfach nicht, dass die Bahn soviel Geld bekommt. Jetzt müssen die Straßen an der Reihe sein‟, sagte Hundahl.

Er betonte, es gebe einige Straßenprojekte, die auf Umsetzung warteten: „Man könnte die Projekte priorisieren, bei denen wir uns einen hohen gesellschaftlichen Gewinn versprechen. Das gilt z.B. für den Hafentunnel in Kopenhagen, die Autobahn zwischen Frederikssund und Hillerød oder der Autobahn durch Mitteljütland. Diese sollten wir vorziehen.‟

Trotz eines Verkehrsvergleichs der Grünen aus 2009 und eines Infrastrukturpools von 94 Mrd. DKK war es in den letzten 10 Jahren nicht gelungen, den Kollektivverkehr zu stärken. Tatsächlich ist der Anteil laut Zahlen aus 2016 im Vergleich zu 2009 noch gesunken, auch wenn in den ersten Jahren ein Anstieg zu verzeichnen war. Die vorläufigen Zahlen für 2017 deuten darauf hin, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

Henrik Friis ist daher der Ansicht, man müsse sich auf den tatsächlichen Bedarf konzentrieren, wenn man neue Infrastrukturinvestitionen ab 2020  plane.

„Wir haben akute Not und die Bahn bringt nicht das, was sich alle davon versprochen haben. Es kostet viel Geld und wirkt sich auf die Familien und die Wirtschaft aus. Daher sollten die Politiker nach der nächsten Wahl sich darauf konzentrieren, wie sie diese Not bekämpfen können‟, erklärte Friis.

Quelle: Licitationen.dk

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