Statens vegvesen (die norwegische Straßenverwaltung) hat eine neue Strecke für die Europastraße E39 zwischen zwei der größten Städte Norwegens untersucht. Die vorgeschlagene Lösung soll die Reisezeit um 30 Minuten verkürzen, die Wohn- und Arbeitsregionen enger miteinander verbinden und die Verkehrssicherheit erheblich verbessern.
Die empfohlene Trasse führt bei Bokn vorbei und bindet an die neue E39 in Rogfast an – und damit den weltweit längsten Unterseetunnel, dessen Eröffnung für das Jahr 2033 geplant ist. Die E39 verläuft weiter in nördlicher Richtung nach Haugesund, Stord und Bergen.
Sicherheits- und Infrastrukturverbesserungen
Die derzeitige E39 entlang der Küste zwischen Bokn und dem Bømlafjord weist über 50 Prozent mehr Tote und Schwerverletzte auf als der Landesdurchschnitt für Fernstraßen. Die Straße ist schmal, kurvenreich und hat mehr als 250 Zufahrten und Kreuzungen. Das Projekt ist ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Bemühungen, die Reisezeit zwischen Bergen und Stavanger deutlich zu reduzieren.
Verkehrsmodelle zeigen, dass der Bedarf für eine vierspurige Straße die Kapazitäten übersteigen wird. Die neue E39 wird die Verkehrssicherheit maßgeblich erhöhen, die Reisezeit auf 60 Kilometern um eine halbe Stunde reduzieren und die Transportwege zwischen wirtschaftsstarken Regionen wie Stavanger, Haugesund, Karmøy, Stord und Bergen verbessern.
Anschluss an Rogfast und Streckenverlauf

Bild: Statens Vegvesen/Rambøll
Die neue Straße ist dort geplant, wo Rogfast auf das Festland bei Haugalandet trifft. Rogfast befindet sich im Bau und soll 2033 eröffnet werden. Die neue E39 wird in Richtung Stord und Bergen durch die Kommunen Bokn, Tysvær und Sveio führen. Statens vegvesen hat zuvor aus über 100 möglichen Streckenvarianten zwei Hauptalternativen ausgewählt.
Empfehlung für Alternative 1
Statens vegvesen empfiehlt nun Alternative 1 als bevorzugte Lösung. Laut Projektleiter Henry Damman sind beide Varianten gut, doch Alternative 1 ist rund drei Milliarden Kronen günstiger als Alternative 2 und weist einen gesellschaftlichen Nutzen von +0,11 (Nettonutzen) auf. Damit gilt die Straße als volkswirtschaftlich rentabel. Die Kosten für Alternative 1 werden auf etwa 20,9 Milliarden Kronen geschätzt, während Alternative 2 mit 24 Milliarden Kronen veranschlagt wird und einen negativen gesellschaftlichen Nutzen von –0,23 (Nettonutzen) aufweist. Beide Varianten haben ähnlich große Auswirkungen auf die Natur.
Die Planung legt großen Wert auf Kosteneffizienz. Lange Tunnel und Brücken wurden vermieden, um die zukünftigen Kosten niedrig zu halten. Die Straße soll fünf Anschlussstellen auf mehreren Ebenen erhalten, unter anderem eine Verbindung zur E134, einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen. Der Bau kann bei politischer Zustimmung auch abschnittsweise erfolgen.
Umfangreiche Untersuchungen und Beteiligung
Am 9. Februar wurde der Vorschlag für den kommunalen Teilplan zur Anhörung vorgelegt. 35 Fachbereiche haben ihre Einschätzungen eingebracht, zusammengefasst in über 50 Berichten und Notizen sowie mehr als 1000 Karten. Insgesamt umfasst der Plan mit den Berichten und der Umweltverträglichkeitsprüfung mehrere tausend Seiten.
Projektleiter Damman betont, dass das Gebiet nie zuvor so gründlich untersucht und dokumentiert wurde. Die Planung einer 60 Kilometer langen Strecke hat unvermeidliche Auswirkungen auf empfindliche Natur, Nachbarschaften und landwirtschaftliche Flächen. Im Laufe des Verfahrens sind zahlreiche Rückmeldungen von Anwohnern und Behörden eingegangen.
Information der betroffenen Eigentümer
Über tausend Grundstückseigentümer werden in den nächsten Tagen schriftlich informiert. Alle, deren Grundstücke sich im Umkreis von 100 Metern der Straße entlang beider Streckenvarianten befinden, erhalten Informationen zum Plan. Damman erklärt, dass viele erleichtert, andere jedoch enttäuscht, frustriert oder verärgert über den geplanten Verlauf sind, der ihre Immobilie, ihr Haus, ihre Hütte oder ihr Wohnumfeld betreffen kann. Das Projektteam hat großen Respekt vor den starken Emotionen der Betroffenen.
Weiteres Verfahren und politische Entscheidung
Im Jahr 2019 beauftragte das norwegische Verkehrsministerium Statens vegvesen mit der Ausarbeitung eines Vorschlags für den kommunalen Teilplan. Ziel ist es, den Verlauf einer künftigen Straße festzulegen. Bis zu einer möglichen Eröffnung wird es noch viele Jahre dauern.
Die Strecke ist bislang nicht im Nationalen Verkehrsplan (NTP) enthalten. Erst nach Verabschiedung des kommunalen Teilplans kann eine Berücksichtigung im NTP erfolgen. Ob die Straße künftig gebaut wird, entscheidet die Regierung und das Parlament zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise bei einer zukünftigen Aktualisierung des Verkehrsplans. Die öffentliche Anhörung zum kommunalen Teilplan dauert sechs Wochen, bevor die Lokalpolitiker der drei Gemeinden voraussichtlich Ende 2026 darüber entscheiden.
Quelle: Statens Vegvesen