In sechs Jahren verzeichnet der dänische Infrastruktursektor ein Investitionswachstum von 35 Prozent
Blickt man zurück auf das Jahr 2019, war es für den Infrastrukturbau kein besonders starkes Jahr. Die Investitionen in Tief- und Infrastrukturbauprojekte lagen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
Doch seit 2020 zeigen die Investitionen im Infrastruktursektor eine stabile Aufwärtsentwicklung. So stabil, dass das heutige Niveau im Vergleich zu 2019 um gut 18 Milliarden dänische Kronen gestiegen ist – was einer Zunahme von rund 35 Prozent entspricht.
Martin Kyed, Chefökonom beim Prognosecenteret, sieht insbesondere den Krieg in der Ukraine als wichtigen Treiber dieses Investitionsbooms: „Die Investitionen wurden in hohem Maße genutzt, um gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen – vor allem im Energiebereich. Seit 2019 wurden rund 13 Milliarden Kronen in Fernwärme, Solaranlagen und Stromnetze investiert, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern‟, sagt Martin Kyed.
Reaktion auf die Energiekrise
Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine begannen viele europäische Länder – darunter auch Dänemark – massive Investitionen in die Energieinfrastruktur zu tätigen, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren.
Obwohl das Wachstum voraussichtlich auch in diesem und im nächsten Jahr anhält, zweifelt der Chefökonom stark daran, dass sich eine ähnliche Entwicklung in den kommenden sechs Jahren wiederholen wird.
„Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass es während des Prognosezeitraums nur begrenzte Kapazitäten gibt. Es fehlt an Fachkräften‟, sagt er und ergänzt: „Es werden weiterhin viele Milliarden in die Infrastruktur investiert. Aber man sollte nicht erwarten, dass sich diese Entwicklung in gleichem Maße fortsetzt.‟
Straßennetz und Energie als Wachstumstreiber
Investitionen im Energiesektor umfassen unter anderem Windkraftanlagen, Fernwärme und Ladeinfrastruktur. Wie Martin Kyed erklärt, entfallen mehr als zwei Drittel des Investitionswachstums seit 2019 auf den Energiesektor.
Doch auch andere Bereiche tragen zum Wachstum bei: Besonders die umfangreichen Investitionen ins dänische Straßennetz haben einen erheblichen Anteil an der Entwicklung. Rund 8 Milliarden Kronen der Wachstumsdynamik entfallen auf diesen Bereich.
„Wir sehen jetzt wirklich, dass der Infrastrukturplan 2035 Wirkung zeigt‟, sagt Kyed und weiter: „Blickt man auf das Jahr 2027, stagnieren die Investitionen im Energiesektor weitgehend – während die Investitionen ins Straßennetz weiterhin stark zulegen.‟
Kyed verweist zudem auf den Bereich der kommunalen Infrastruktur als weiteren Wachstumstreiber seit 2019. Dazu zählen etwa Maßnahmen zur Klimaanpassung, Trinkwasserversorgung und Abwasseranlagen.
Ein Joker in der Hinterhand

Ein Blick auf die Zahlen des Prognosecenteret zeigt eine mögliche rückläufige Entwicklung in der Kategorie „Sonstiges“. Diese umfasst eine Vielzahl von Bereichen wie Flughäfen, Bodenerschließung, Sport- und Kultureinrichtungen sowie – nicht zuletzt – das Verteidigungswesen.
Letzteres hat angesichts der geopolitischen Lage mit Russland und den USA stark an Aktualität gewonnen. Kyed geht deshalb davon aus, dass aus dem Rückgang am Ende ein Wachstum werden könnte.
„Der Bereich „Sonstiges“ ist ein echter Joker – insbesondere wegen der Verteidigung‟, sagt Martin Kyed. „Auch wenn das Verteidigungsabkommen keine konkreten Projekte benennt, kann es plötzlich sehr schnell gehen. Bauprojekte im Verteidigungsbereich sind nämlich von Umweltgenehmigungen und Anhörungsverfahren ausgenommen.‟
Damit der Verteidigungsbereich zum Wachstum beiträgt, müssen allerdings ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen – und die fehlen derzeit.
Quelle: Dagens Byggeri