Um die Preistransparenz beim Baumaterial zu verbessern, schlägt die schwedische Wettbewerbsbehörde Konkurrensverket unter anderem vor, dass öffentliche Auftraggeber verstärkt auf Festpreise setzen.

„Die mangelnde Preistransparenz auf dem Markt für Baumaterial führt dazu, dass Auftraggeber zu viel bezahlen – und sie kann zu einem eingeschränkten Wettbewerb führen. Dieses Problem wurde bereits in mehreren Untersuchungen hervorgehoben, bisher jedoch nicht gelöst. Deshalb ist jetzt eine klare Abkehr von nachträglichen Rabatten erforderlich“, sagt Marie Östman, Generaldirektorin von Konkurrensverket.
Umfangreiche Rückvergütungen bei Baumaterial
Im Auftrag der schwedischen Regierung hat die Wettbewerbsbehörde eine vertiefte Untersuchung zu Preis- und Rabattstrukturen in der Installationsbranche durchgeführt. Dabei zeigte sich: Nachträgliche Rabatte – also solche, die Lieferanten im Nachhinein an Installationsunternehmen auszahlen – sind weit verbreitet und betragen erhebliche Summen. Allein im Jahr 2023 beliefen sich diese Rückvergütungen von Großhändlern an Installateure auf rund 4,4 Milliarden schwedische Kronen.
Besonders problematisch sind nachträgliche Rabatte laut Untersuchung bei Bauprojekten, die auf Basis tatsächlicher Kosten abgerechnet werden (Selbstkostenprinzip) – ein häufiges Modell bei öffentlichen Auftraggebern. Die Wettbewerbsbehörde sieht die größten Risiken bei komplexen Bauvorhaben wie Krankenhäusern, Infrastruktureinrichtungen und öffentlichen Gebäuden.
Intransparente Preislisten und fehlende Einsicht
Ein weiteres Problem: Unterschiedliche Preislisten bei den Großhändlern ermöglichen es Bauunternehmen, entweder hohe oder niedrige Materialkosten auszuweisen – je nachdem, was für sie günstiger ist. Laut Konkurrensverket konnte nun belegt werden, dass diese Praxis regelmäßig vorkommt.
Wenn ein erheblicher Teil der Materialkosten erst später in Form von Rabatten an das Installationsunternehmen zurückfließt, erhalten die Lieferanten Zahlungen ohne jegliche Einsicht durch den Auftraggeber. Häufig profitieren die öffentlichen Auftraggeber nicht von diesen Rabatten. So können tatsächliche Materialkosten verschleiert werden – und der Auftraggeber zahlt sowohl einen höheren Materialpreis als auch ein entsprechend höheres Honorar für die Ausführung.
Festpreis als Maßnahme gegen Intransparenz
Um die Transparenz zu erhöhen, hat die Wettbewerbsbehörde mehrere Maßnahmen vorgeschlagen, die sich an die öffentliche Hand richten.
„Aus unserer Sicht ist es nicht zielführend, die Vertragsfreiheit gesetzlich einzuschränken. Bei nachträglichen Rabatten braucht es jedoch klarere vertragliche Regelungen. Öffentliche Auftraggeber können hier eine Vorreiterrolle einnehmen und so die gesamte Branche beeinflussen. Deshalb richten sich unsere Vorschläge insbesondere an das öffentliche Beschaffungswesen“, erklärt Marie Östman.
Konkurrensverket schlägt vor, dass öffentliche Auftraggeber:
- in erster Linie auf Festpreise setzen,
- alternativ bei Abrechnung nach tatsächlichem Aufwand die Materialpreise im Vorfeld verbindlich festlegen,
- klare vertragliche Regelungen treffen, wie mit nachträglichen Rabatten umzugehen ist. Insbesondere sollen alle Rabatte dem Auftraggeber zugutekommen, und die Vertragskontrolle soll gestärkt werden.
Pflicht zur Offenlegung von Rabatten
Um öffentlichen Auftraggebern besseren Zugang zu Rabatten auf Baumaterial zu ermöglichen, schlägt die Wettbewerbsbehörde eine gesetzliche Regelung vor. Lieferanten sollen verpflichtet werden, alle Rabatte auf Baumaterial in ihrer Rechnung anzugeben.
„Es ist nicht hinnehmbar, dass Rabatte, die dem öffentlichen Auftraggeber zustehen, verschleiert werden und die ausgewiesenen Kosten nicht der Realität entsprechen. Das geht zu Lasten der Steuerzahler. Deshalb fordern wir eine verpflichtende Offenlegung der Rabatte“, so Marie Östman.
Darüber hinaus sieht die Wettbewerbsbehörde einen Bedarf an mehr Fachwissen im Bereich öffentliche Beschaffung. Sie empfiehlt, dass die Regierung geeignete Stellen damit beauftragt, die Beratung, Unterstützung und Koordination für öffentliche Auftraggeber in diesen Fragen zu stärken.
Quelle: Byggvärlden