Die norwegische Regierung hat angekündigt, die Planungen für den Stad-Schiffstunnel einzustellen. Das milliardenschwere Infrastrukturprojekt, das als weltweit erster Tunnel für große Seeschiffe geplant war, wird damit vorerst nicht weiterverfolgt. Grund für den Stopp sind die massiv gestiegenen Kosten.
Der Schiffstunnel bei Stad hätte die gefährliche Seeenge rund um die Halbinsel Stad im Westen Norwegens umgehen und für mehr Sicherheit sowie Zuverlässigkeit im Schiffsverkehr sorgen sollen. Bereits seit Jahren wird über das Projekt diskutiert, 2021 war es schließlich vom Parlament bewilligt worden. Die staatliche Küstenverwaltung Kystverket hatte daraufhin mit detaillierten Planungen und vorbereitenden Maßnahmen begonnen.

Doch nun zieht die Regierung die Reißleine. In einem aktuellen Vorschlag zum Staatshaushalt für 2026 wird die Einstellung des Projekts empfohlen. Die ursprünglich kalkulierten Baukosten von rund 3,45 Milliarden NOK (rund 300 Millionen Euro) haben sich nach aktuellen Schätzungen fast verdoppelt. Damit sei das Projekt wirtschaftlich nicht mehr vertretbar, heißt es aus Oslo.
Politische Neuausrichtung mit Fokus auf Wirtschaftlichkeit
Die Entscheidung ist Teil einer größeren politischen Neuausrichtung. Die Mitte-Links-Regierung unter Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, Großprojekte mit fraglichem Kosten-Nutzen-Verhältnis auf den Prüfstand zu stellen. Der Schiffstunnel, obwohl technisch machbar und international beachtet, fällt nun dieser Priorisierung zum Opfer.
Besonders in der betroffenen Region Møre og Romsdal stößt die Entscheidung auf Enttäuschung. Lokale Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten sich vom Tunnel eine Belebung des regionalen Seehandels sowie Impulse für den Tourismus erhofft. Auch Kystverket zeigte sich zurückhaltend, äußerte jedoch Verständnis für die politischen Rahmenbedingungen.
Ob der Schiffstunnel dauerhaft beerdigt ist, bleibt offen. Die Regierung hat signalisiert, dass das Projekt theoretisch wieder aufgenommen werden könnte – allerdings nur bei deutlich besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Vorerst wird es aber keine weiteren Investitionen oder Ausschreibungen geben.