Trinkwassertunnel erfolgreich durchbohrt
Der Trinkwassertunnel für die neue Wasserversorgung in Oslo ist fertig gebohrt. Er soll sicherstellen, dass die Stadt über eine alternative Versorgung verfügt, falls es zu einem Ausfall kommt.
Am Dienstag wurde der Durchbruch der 11 Kilometer langen Haupttunnelröhre unter Huseby gefeiert. Die Freude war groß, als sich die Tunnelbohrmaschine durch die Felswand gearbeitet hatte. Die Tunnelstrecke verläuft in Ost-West-Richtung und beginnt in Stubberud im Stadtbezirk Alna.
Die neue Wasserversorgung dient als Reservequelle. Aktuell bezieht rund 90 Prozent der Bevölkerung in Oslo ihr Trinkwasser aus dem Maridalsvannet. Ein Ausfall zentraler Komponenten dieses Systems hätte schwerwiegende Folgen, schreibt die Stadt Oslo auf ihrer Website.
Auch das starke Bevölkerungswachstum der norwegischen Hauptstadt wird als ein Grund für den Aufbau einer vollständigen Notversorgung genannt.
Wichtiger Fortschritt für die Stadt
Oslos Regierungschef Eirik Lae Solberg (Høyre) zeigte sich erfreut darüber, dass das Projekt mit dem Trinkwassertunnel dem Zeitplan voraus ist.
„Das ist ein sehr wichtiger Schritt für Oslo. Wir benötigen eine neue Wasserversorgung, und mit diesem Durchbruch kommen wir der Wasserentnahme aus dem Holsfjorden einen großen Schritt näher. Wir liegen vor dem Zeitplan und im Budget – das ist sehr positiv“, sagte Solberg gegenüber der Nachrichtenagentur NTB.
„Angesichts der heutigen Zeit – mit Krieg in Europa, Cyberbedrohungen und anderen unvorhersehbaren Gefahren – ist es entscheidend, über eine robuste Infrastruktur zu verfügen. Dieses Projekt trägt dazu bei. Es ist also sehr bedeutsam für die bald 750.000 Einwohnerinnen und Einwohner Oslos“, so Solberg weiter.

Große Abhängigkeit von einer Quelle
Auch Anna Maria Aursund, Direktorin der Wasser- und Abwasserbehörde in Oslo (Vann- og avløpsetaten), betont die Bedeutung der erhöhten Versorgungssicherheit. „Die derzeitige Abhängigkeit ist inakzeptabel hoch. 90 Prozent der Bevölkerung sind auf eine einzige Wasserquelle und eine einzige Aufbereitungsanlage angewiesen“, sagte Aursund gegenüber NTB. Die neue Reserveversorgung soll 2028 in Betrieb gehen.
Sie zeigte sich beeindruckt vom erfolgreichen Durchbruch des Tunnels und zufrieden mit dem bisherigen Projektverlauf. „Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Alle Beteiligten haben großartige Arbeit geleistet. Ich bin sehr erleichtert, dass wir die aufwendige Bauphase – das Bohren und Sprengen von 40 Kilometern Tunnel – ohne ernsthafte Schäden an Menschen oder Umwelt abschließen konnten“, so Aursund.
Die wichtigsten Projektbestandteile
Laut der Stadt Oslo umfasst das Projekt „Ny vannforsyning“ (Neue Wasserversorgung) folgende Hauptkomponenten:
- Neues Wasserentnahmesystem aus dem Holsfjorden
- Rohwassertunnel vom Holsfjorden nach Huseby (19 Kilometer)
- Neue Wasseraufbereitungsanlage unter dem Husebyskogen
- Trinkwassertunnel (11 Kilometer) zur Verteilung zwischen Huseby und Stubberud – dieser Tunnel wurde am 20. Januar fertiggestellt
- Tunnel von der Aufbereitungsanlage am Maridalsvannet zur neuen Zentrumsleitung
- Notfall-Wasserbecken bei Haugerud
Teure Investition mit Budgetüberschreitungen
Im August 2024 wurde bekannt, dass die Wasseraufbereitungsanlage mit erheblichen Mehrkosten zu kämpfen hat. Das Stadtparlament von Oslo beantragte zusätzliche Mittel in Höhe von 2,8 Milliarden NOK – ursprünglich waren für diesen Teil des Projekts 2,5 Milliarden NOK veranschlagt. Noch im selben Jahr kam es zu einer weiteren Kostensteigerung, sodass sich der Gesamtpreis der Anlage auf über 6 Milliarden NOK belief, wie der norwegische Rundfunk NRK berichtete.
Der übrige Projektverlauf lag zu diesem Zeitpunkt im oder unter dem Budget. Das Gesamtbudget für das gesamte Projekt beläuft sich auf 30,2 Milliarden NOK.
Quelle: tu.no