Beim Branchentreffen Stora Infradagen, an dem Vertreter mehrerer Parteien teilnahmen, zeigte sich parteiübergreifende Einigkeit: Die schwedische Eisenbahn benötigt mehr und besser abgestimmten Unterhalt. Die Branchenorganisation Tågföretagen, die bei der Veranstaltung anwesend war, betonte, dass trotz des politischen Konsenses konkrete Maßnahmen noch ausstehen.
An der Veranstaltung nahmen ehemalige Infrastrukturminister, wirtschaftspolitische Sprecher und der Ministerpräsident teil. Unabhängig von parteipolitischen Standpunkten wurden der Bedarf an besserer Instandhaltung, zweckmäßigerer Vergabeprozesse und langfristiger Planung hervorgehoben. In einer digital übertragenen Ansprache bezeichnete der Ministerpräsident die Infrastruktur als eines der drei grundlegendsten Politikfelder.
Zentrale Bedeutung der Eisenbahn für Industrie und Wachstum
Nach Einschätzung von Tågföretagen sind Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur entscheidend für Schwedens wirtschaftliches Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Gütertransporte per Bahn seien für große Teile der Industrie – insbesondere der Grundstoffindustrie – unverzichtbar. Die aktuellen Rahmenbedingungen bezeichnet die Branche jedoch als angespannt: In den letzten Jahren sind die Trassenpreise erheblich gestiegen.
Wie die Organisation berichtet, stellen die gestiegenen Gebühren mittlerweile bis zu ein Drittel der gesamten Betriebskosten im Güterverkehr dar. Da sich das Verkehrsaufkommen kaum verändert habe, seien die Preissteigerungen aus Sicht der Branche nicht durch höheren Verschleiß gerechtfertigt.

Verlagerung auf die Straße droht
Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, droht eine zunehmende Verlagerung des Gütertransports auf die Straße. Ein einzelner Güterzug entspricht je nach Beladung bis zu 50 Lkw – mit entsprechenden Auswirkungen auf ohnehin stark frequentierte Straßen. Gerade für schwere Transporte über weite Strecken sei die Bahn schwer zu ersetzen, auch im Personenverkehr.
Diese Frage gewinnt zusätzlich an Bedeutung vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit. Robuste Verkehrsinfrastrukturen spielen dabei auch für die Gesamtverteidigung eine zunehmend wichtige Rolle.
Kapazität im grenzüberschreitenden Verkehr als Herausforderung
Besonders im internationalen Kontext wird das Thema Kapazität immer wichtiger. Mit Inkrafttreten der neuen EU-Kapazitätsverordnung und der Eröffnung der Fehmarnbelt-Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland ist ein deutliches Verkehrsplus zu erwarten – vor allem in Südschweden. Laut Tågföretagen fehlt jedoch ein übergreifender Plan, wie das schwedische Schienennetz auf diesen Anstieg reagieren soll.
Die Branchenorganisation verweist darauf, dass sich viele Engpässe durch vergleichsweise einfache und kosteneffiziente Maßnahmen beseitigen lassen – etwa durch neue Gleise, Überholgleise, Gleisdreiecke oder eine höhere Systemresilienz.
Langfristigkeit und Systemrobustheit gefordert
Tågföretagen betont, dass ein robustes Schienensystem eine Grundvoraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit Schwedens ist – sowohl für den nationalen als auch für den internationalen Güter- und Personenverkehr. Die politische Einigkeit müsse nun in langfristige Entscheidungen zu Unterhalt, Kapazität und Finanzierung münden.
Quelle: Järnvägsnyheter