In Schweden fordern Politik und Wirtschaft ein höheres Tempo beim Ausbau, in Dänemark wird ein Gesamtplan verlangt, und in Deutschland nimmt der Ausbau der Strecke zwischen Puttgarden und Lübeck im Jahr 2026 deutlich Fahrt auf.

Mit Blick auf die Eröffnung der Fehmarnbelt-Verbindung wächst der Druck, den wichtigen TEN-T-Korridor zu einem durchgängigen und effizienten Schienennetz von Nordskandinavien bis nach Sizilien auszubauen. Insbesondere das schwedische Schienennetz gilt derzeit als Hindernis, um das volle Potenzial der festen Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland auszuschöpfen.
Forderung nach Investitionen in Schweden
Zuletzt hat Carl Johan Sonesson, Regionsratsvorsitzender in der Region Skåne und neu gewählter Vorsitzender der dänisch-schwedischen Kooperationsorganisation Greater Copenhagen, auf das Problem aufmerksam gemacht.
„Wir müssen Druck auf die schwedische Regierung ausüben, damit wichtige Investitionen in die Schieneninfrastruktur in den nationalen Plan aufgenommen werden, der im Frühjahr verabschiedet wird. Das betrifft vor allem die Strecken Lund–Hässleholm und Helsingborg–Maria. Es geht in hohem Maße darum, die Region so aufzustellen, dass wir das volle Potenzial der Fehmarnbelt-Verbindung ausschöpfen können“, so Carl Johan Sonesson.
Verlust an Wettbewerbsfähigkeit droht
Bereits zuvor hatten Rachel De Basso, Vorsitzende der Region Jönköpings Län, sowie Stig Rømer Winther, Direktor von Femern Belt Development, das schwedische Schienennetz als bedeutenden Engpass auf dem europäischen TEN-T-Korridor von Nordskandinavien bis Sizilien bezeichnet.
Dies wurde unter anderem im Rahmen der europäischen Bahnkonferenz „A New Railway for a New Europe“ in Brüssel deutlich gemacht.
„Ohne ein zusammenhängendes nationales Netz mit Schlüsselstrecken wie Stockholm–Linköping, Göteborg–Borås, Jönköping–Borås, dem viergleisigen Ausbau in Skåne, der Vätter-Verbindung sowie Oslo–Göteborg und Oslo–Stockholm riskiert Schweden, sowohl an internationaler Wettbewerbsfähigkeit als auch an nationalem Vertrauen in das Bahnsystem zu verlieren“, sagt Rachel De Basso.
Unterstützung für die schwedische Wirtschaft
„Dänemark und Deutschland investieren massiv in den Ausbau ihrer Schienennetze, aber Schweden hinkt hinterher. Es besteht die Gefahr, dass Schweden – das sich einst stark für die Fehmarn-Verbindung eingesetzt hat – nun zum Bremsklotz wird“, sagt Stig Rømer Winther.
Er verweist darauf, dass mehrere große schwedische Logistikunternehmen betonen, dass die Fehmarnbelt-Verbindung ganz neue Möglichkeiten für den Handel zwischen Kontinentaleuropa und Skandinavien eröffnet. Doch das schwedische Schienennetz sei derzeit ein Engpass.
„Ich möchte daher anregen, dass wir von dänischer und deutscher Seite die Forderungen der schwedischen Wirtschaft nach einem Ausbau des Schienennetzes unterstützen“, so Winther.
Dänemark braucht einen Gesamtplan
Auch in der dänischen Wirtschaftsorganisation Dansk Industri liegt der Fokus auf der Schiene und den Chancen, die sich mit der Fehmarnbelt-Verbindung ergeben.
Hakon Iversen, Bereichsleiter bei DI Transport und stellvertretender Vorsitzender von Femern Belt Development, fordert in einem Beitrag auf der Website von Dansk Industri einen umfassenden Plan für die Zukunft der Bahn. Der öffentliche Verkehr – einschließlich der Bahn – sei entscheidend für den Alltag vieler Menschen und für die Möglichkeiten der Unternehmen.
„Auch im Güterverkehr wird die Bahn künftig eine wichtige Rolle spielen – besonders in der Verbindung zwischen Skandinavien und dem Kontinent, wenn die neue Fehmarnverbindung ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Zudem ist sie ein strategisches Element in der zukünftigen militärischen Mobilität. Schon heute spielt die Bahn im militärischen Bereich bei unseren Verbündeten in Skandinavien und in südlicher Richtung eine wichtige Rolle“, betont Hakon Iversen in seinem Beitrag, der auch bei Altinget veröffentlicht wurde.
Ausbau der deutschen Strecke nimmt Fahrt auf
In Deutschland wird die 88 Kilometer lange Bahnstrecke durch Ostholstein von der künftigen Fehmarnbelt-Tunnelöffnung bis nach Lübeck zweigleisig ausgebaut. Die Arbeiten begannen im Jahr 2025 und kommen 2026 deutlich voran.
Das Bauprojekt ist in acht Abschnitte unterteilt. Neben der Bahntrasse werden neue Brücken für den kreuzenden Straßenverkehr errichtet, und auf Teilen der Strecke entstehen Lärmschutzwände.
Noch in diesem Jahr beginnt auch die Planung eines der größten Teilprojekte auf dem Abschnitt zwischen Puttgarden und Lübeck: des kombinierten Straßen- und Eisenbahntunnels unter dem Fehmarnsund.
Quelle: Femernbelt Development