Ein neuer Bericht warnt eindringlich vor massiven Engpässen entlang der Schienenverbindungen zwischen Oslo und Hamburg. Ohne gezielte Investitionen könnte das ambitionierte Ziel, mit der Fehmarnbelt-Querung mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, verfehlt werden.

Die Fehmarnbelt-Querung (Fehmarnbelt Fixed Link, FBFL) gilt als eines der zentralen Infrastrukturprojekte Nordeuropas. Sie soll ab etwa 2029 einen schnellen und umweltfreundlichen Korridor zwischen Skandinavien und Mitteleuropa schaffen. Doch laut einem aktuellen Bericht im Auftrag von STRING und Greater Copenhagen droht das Projekt, sein Potenzial nicht auszuschöpfen. Der Grund: 15 kritische Engpässe entlang des Skandinavien-Mittelmeer-Korridors (ScanMed) gefährden die angestrebte Verkehrsverlagerung.
Stillstand trotz Zeitdruck
Seit dem letzten Bericht im Jahr 2023 hat sich die Lage sogar verschlechtert. Viele der bekannten Engpässe wurden nicht entschärft, während die Zeit bis zur Inbetriebnahme der FBFL weiter voranschreitet. Dies erhöht das Risiko, dass der Straßengüterverkehr weiter Marktanteile gewinnt – zulasten von Klima und Infrastruktur.
Engpässe entlang der Strecke
Deutschland steht besonders im Fokus der Kritik. Der Bahnknoten Hamburg ist bereits heute überlastet, und zentrale Ausbaumaßnahmen – wie zusätzliche Gleise über die Elbe oder die Neubaustrecke Hamburg–Hannover – sind frühestens in den 2040er Jahren zu erwarten. Auch der Anschluss an die FBFL verzögert sich: Der neue Fehmarnsund-Tunnel wird erst ab 2032 bereitstehen. Übergangsweise muss daher die bestehende Brücke elektrifiziert werden, um den Güterverkehr zu ermöglichen.
Dänemark hingegen erfüllt seine vertraglichen Verpflichtungen weitgehend. Die Strecke zur FBFL wird planmäßig ausgebaut. Allerdings bestehen Herausforderungen an Knotenpunkten im Raum Kopenhagen sowie bei der Terminalverfügbarkeit.
In Schweden stellt die Strecke Hässleholm–Lund in Skåne den größten Engpass dar. Zwar wurden Maßnahmen beschlossen, doch eine rechtzeitige Fertigstellung ist nicht zu erwarten. An der Westküstenbahn südlich von Göteborg fehlen ebenfalls Kapazitäten, ohne dass konkrete Lösungsansätze vorliegen.
Norwegen schließlich kämpft mit einer unterdimensionierten Verbindung zwischen Oslo und Göteborg. Die Strecke ist langsam, eingleisig und behindert den grenzüberschreitenden Verkehr erheblich.
Handlungsempfehlungen von Sweco
Das beauftragte Beratungsunternehmen Sweco fordert entschlossenes Handeln in mehreren Bereichen:
- Beschleunigter Ausbau: Engpässe wie in Skåne oder an der Fehmarnsundbrücke müssen priorisiert werden.
- Standardisierung: Die Einführung von längeren Güterzügen (bis zu 1050 Metern) und des europäischen Signalsystems ERTMS sollte insbesondere in Deutschland und Schweden forciert werden.
- Reform der Planungsprozesse: Die EU-Kommission wird aufgefordert, die langwierigen nationalen Planungsverfahren zu reformieren und grenzüberschreitend besser zu koordinieren.
- Finanzierung: Öffentliche-private Partnerschaften (ÖPP) könnten helfen, den dringend nötigen Ausbau trotz knapper Haushaltsmittel zu realisieren.
Ein schmales Zeitfenster
Der Bericht kommt zu einem klaren Fazit: Die Chance, mit der Eröffnung der Fehmarnbelt-Querung einen echten „grünen Korridor“ zu schaffen, besteht – aber das Zeitfenster ist klein. Ohne koordiniertes und schnelles Handeln drohen jahrzehntelange Engpässe, höhere Transportkosten und ein Rückschlag für die Verkehrswende in Nordeuropa.
Quelle: String/Greater Copenhagen